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Automobillackierung

Automobillackierung: 04.02.2011

„Ein Restrisiko bleibt immer“

Am 16. und 17. März findet die alljährliche Tagung "Karosserielackierung intensiv" in Stuttgart statt. Viele OEM-Berichte zeigen den Teilnehmern, wie sich aktuelle Materialien entlang der ganzen Prozesskette effizient einsetzen lassen. besser lackieren! sprach mit dem fachlichen Leiter der Veranstaltung, Dr. Michael Hilt, über aktuelle Herausforderungen und neue Lacksysteme.

Dr. Michael Hilt

Dr. Michael Hilt

Die Tagung "Karosserielackierung intensiv 2011" trägt das Motto "Von der Karosseriereinigung bis zum Lackfinish – neue Konzepte mit Erfolgsgarantie?". Warum diese provozierende Frage?

Die einzelnen Schritte der Prozesskette Karosserielackierung werden durch verschiedene Treiber, z.B. das Optimieren der Umweltverträglichkeit, das Reduzieren der Energieeinsatzes, das Einbringen neuer Materialien sowie durch den Wunsch nach reduzierten Kosten regelmäßig und wiederkehrend neu erfunden. Dabei unterschätzen Anwender sicherlich häufig diese Prozesskette in ihrer Komplexität, Spezialisierung und der Abhängigkeit der einzelnen Teilprozesse voneinander. Das Einbringen neuer Konzepte muss also immer unter voller Kenntnis aller bekannten Faktoren und deren Auswirkungen auf andere Faktoren geschehen. Ein Restrisiko auf dem Weg zum Erfolg bleibt immer, aber Veranstaltungen wie die "Karosserielackierung intensiv" tragen dazu bei, diese Risiken zu reduzieren.    

Sollen Karosserien zukünftig die Ansprüche an Design und Funktion befriedigen, sind angepasste Materialkonzepte in der Oberflächentechnik gefragt. Welche Kriterien müssen hier erfüllt sein, um zeitgemäß zu lackieren?

Kunden, die sich heute ein Fahrzeug kaufen, gehen davon aus, dass dessen Oberflächenschutz sowohl optisch als auch funktional langlebig ist, etwa beim Korrosionsschutz. Im Premiumsegment kommt noch hinzu, dass Kunden sich gerne durch ihr Fahrzeug optisch differenzieren möchten, jedoch in dezenter Art und Weise. Zeitgemäße Materialkonzepte tragen dem Rechnung und ermöglichen maximalen Kundennutzen bei beherrschbaren Kosten. Letzteres ist besonders durch robuste, gut verstandene Prozesse zu erzielen.

Was bedeutet das für die Vorbehandlung?

Bei der Karosserievorbehandlung ist ein klarer Trend in Richtung neuer, dünnschichtiger Systeme zu erkennen. Diese werden in absehbarerer Zeit die über mehrere Jahrzehnte entwickelte und optimierte Technik der Phosphatierung als Schicht zwischen Metall und organischer Beschichtung ersetzen. Hierzu gibt es unterschiedliche Ansätze, der Treiber ist aber wie so oft in der Oberflächentechnik, eine Steigerung der Prozessnachhaltigkeit. Da sich die Grenzfläche zum Substrat sehr sensibel verhält, ist es extrem wichtig, die neuen und sehr interessanten Prozesse, wie alle neuen oberflächentechnischen Abläufe, ausreichend abzusichern.  

Gibt es im Bereich der Nasslacke noch Entwicklungspotenzial?

Nasslacke haben sich über die 125 Jahre Automobilbau als die bisher langlebigste Beschichtungsvariante erwiesen. Es gibt immer wieder Ansätze zu neuen Konzepten, aber der Nasslack bleibt auf absehbare Zeit das Arbeitspferd in der Automobillackierung. Herausforderungen sind sicherlich noch zu meistern – zum einen hinsichtlich der Robustheit der Systeme und für die mittlere Zukunft zweitens durch die erforderliche weiter gesteigerte Nachhaltigkeit des Beschichtungsprozesses. Jedoch ermöglichen die schon heute sehr dünne Nasslackschicht von etwa 100 µm zusammen mit weiteren Korrosionsschutzmaßnahmen eine hervorragende Dauerbeständigkeit für die noch häufig metallischen Grundwerkstoffe. Hinzu kommt in vielen Fällen eine tolle Optik über die heutzutage sehr hohe Lebensdauer von Fahrzeugen. Beides trägt wesentlich zu einer gesicherten Nachhaltigkeit bei.

Welche Projekte laufen derzeit bei der Forschungsgesellschaft für Pigmente und Lacke?

Die FPL fördert im Bereich der Beschichtungssysteme insbesondere Projekte, die bei der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen e.V. (AiF) eingereicht werden. Diese umfassen damit Mittel des Bundesministeriums für  Wirtschaft (BMWi) mit dem Fokus, kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) als Zuwendungsgrundlage zu fördern. Dazu gehören viele Lackfirmen und Rohstoffhersteller, und so wickelt die FPL Projekte für optimierte lacktechnische Grundlagen auch in Automobilaufbauten oder vergleichbaren Systemen ab. Auch eine bestmögliche Funktionalität von Anbauteilen sowie die Grundlagen neuer Aushärtungsmechanismen von Lacken zählen zu den Aktivitäten.

Welche Chancen geben Sie matten Klarlacken in der Automobilserienfertigung?

Matte Klarlacke – ein Widerspruch in sich, da es ja eigentlich Mattlacke sind – stellen für mich neben einigen neu eingeführten Effekten einen "Farbtupfer" beim Gestalten der automobilen Außenhaut dar. Der Matteffekt wirkt edel und nachhaltig differenzierend. Wie breit die Kundenakzeptanz ausfällt, kann ich derzeit nicht abschätzen. Ich glaube, dass Material und Prozess durch die zunehmende Beschäftigung damit sicherer werden und so durchaus eine größere Stückzahl von Fahrzeugen, also nicht nur Einzelfahrzeuge, serienmäßig vom Band laufen.

KAROSSERIELACKIERUNG INTENSIV
Am Audi-Standort Neckarsulm wird u.a. das Modell „A4 Limousine“ lackiert.Quelle: Audi AG

Am Audi-Standort Neckarsulm wird u.a. das Modell "A4 Limousine" lackiert.Quelle: Audi AG

In Entwicklung, Planung und Produktion des automobilen Lackierprozesses arbeiten heute viele Spezialisten aus verschiedenen Bereichen wie Materialwirtschaft, Verfahrenstechnik und Produktion zusammen. Dabei kommt es immer stärker auf fachlich vernetztes Denken und das gegenseitige Verständnis für andere Fachgruppen an. Diese Lücke schließt die Fachkonferenz "Karosserielackierung intensiv" – dieses Jahr am 16. und 17. März in Stuttgart. Ihr Ziel ist es, den Spezialisten innerhalb des Lackierprozesses das Know-how zu vermitteln, so dass sie peu à peu das Thema "lackierte Karosserie" ganzheitlich betrachten können. Außerdem besteht die exklusive Möglichkeit, am Vortag an einer exklusiven Führung durch die Lackiererei der Audi AG in Neckarsulm teilzunehmen. Audi-Fachleute aus Planung und Fertigung zeigen deren Highlights und stehen für einen regen Informationsaustausch zur Verfügung. Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie im Internet unter www.automotive-circle.com

Forschungsgesellschaft für Pigmente und Lacke e.V., Stuttgart, Dr. Michael Hilt, Tel. +49 711 68780-20, michael.hilt@fpl-ev.de, www.fpl.uni-stuttgart.de

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