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16.10.2019

Umwelttechnik

Umwelttechnik: 17.09.2018

„Neue Anwendungen sind erforderlich“

Aktuelle Entwicklungen beim Recycling von Pulverlacken

Eine Alternative zur Entsorgung von Pulver­lacken bietet die Nelco GmbH. Jetzt feierte das Unternehmen sein 10jähriges Jubiläum und erweitert den Standort in Gent. BESSER LACKIEREN sprach mit Geschäftsführer Arnd Nelde über Meilensteine, Herausforderungen und aktuelle Projekte.

Nelco-Geschäftsführer Arnd Nelde plant bis 2019 ein eigenes Prüflabor aufzubauen. Foto: Redaktion

Nelco-Geschäftsführer Arnd Nelde plant bis 2019 ein eigenes Prüflabor aufzubauen. Foto: Redaktion

Herzlichen Glückwunsch zum Firmenjubiläum. Was waren die Meilensteine in der Firmenentwicklung?

Im Bereich Pulverrecycling bin ich seit 1999 aktiv. Die ersten Berührungspunkte waren ein Projekt zum Thema Altpulverrecycling, das ich für Dakota Coatings im belgischen Nazareth gestartet habe. Die Nelco GmbH ist dann am 1. August 2008 gegründet worden. Ein erster Meilenstein war 2010 die Partnerschaft mit den Sozialen Werkstätten Wallonien, die die Firmenentwicklung nachhaltig prägte. Mit einer neuen Anlage konnten wir die Produktion starten und Altpulver aufbereiten. Als Zwischenprodukt entsteht ein alternatives Bindemittel bzw. ein Klebstoff in Pulverform, der für akustische Formteile in der Autoindustrie zum Einsatz kommt. Im Jahr 2012 haben wir ein komplettes Dienstleistungsprogramm für Pulverbeschichter entwickelt. Dieses umfasste z.B. die Logistik, das Bereitstellen von Big Bags und deren Befüllung sowie die Unterstützung bei der gesetzlichen Umsetzung durch Zertifikate und Begleitscheine. 2014 haben wir erstmals 5000 t Altpulver verarbeitet und ein Jahr später konnte ich meinen ersten Mitarbeiter einstellen. Letztes Jahr haben wir eine ehemalige Lackfabrik gekauft.

Aktuell investieren Sie in den Standort. Was ist konkret geplant bzw. realisiert?

In Evergem haben wir das Gelände saniert und umgebaut. Derzeit bauen wir eine weitere Anlage, um die Altpulver zu verarbeiten. Bis 2019 wollen wir ein eigenes Prüflabor aufbauen und als Dienstleistung anbieten. Dadurch können wir die Qualität der Altpulver kontrollieren. 2020 wollen wir uns dann voraussichtlich nach ISO 14000 zertifizieren lassen.

Warum ist diese Investition notwendig?

Maßgeblich dafür sind zwei Faktoren. Erstens wollen wir unsere Kapazitäten steigern, da der Bedarf zunimmt. Und zweitens ist es unser Ziel, die Altpulver inhouse zu verarbeiten. So kann die Qualität kontinuierlich kontrolliert und verbessert werden.

Wie bewerten Sie die ak­tuel­­le und zukünftige Situation beim Pulverlack-Recycling?

Die Kapazitäten und Möglichkeiten, Altpulver zu verbrennen, nehmen aus meiner Sicht ab. Gerade die Aufbereitung feiner Stäube für die thermische Verwertung ist sehr aufwändig und daher kostenintensiv. Hinzu kommt, dass sich der europäische Markt zwar konstant entwickelt, es aber große Verschiebungen von Epoxy- hin zu Polyestersystemen gibt. Das wirkt sich auf unser Recyclingkonzept aus, da sich die Verarbeitungsparameter verändern. Insofern ist unsererseits eine Investition in ein Labor notwendig, um dem verstärkten Einsatz von Polyester-Pulvern Rechnung zu tragen und neue Anwendungen zu finden.

Werden Pulverbeschichter Probleme mit der Entsorgung bekommen?

Die traditionelle Entsorgung wird problematisch, z.B. weil Altpulver nicht auf die Deponie darf. Wenn man es einbackt, kann das Material zur thermischen Verwertung gegeben werden. Allerdings ist Feinstaub nach wie vor das Problem. Und für die Verbrennung ist die Aufarbeitung aufwändig. Konkret wird es für die Beschichter teurer, Altpulver zu entsorgen.

Welche Tipps können Sie Pulverbeschichtern bei der Entsorgung geben bzw. wo können sich Unternehmen über die gesetzeskonforme Entsorgung informieren?

Wir wollen bis 2019 unsere Web­seite neugestalten, um Beschichtern neutrale Information zu geben, z.B. über die gesetzlichen Rahmenbedingungen oder Begleitscheine. In Deutschland ist es aus meiner Sicht nachteilig, dass das Pulverlackrecycling regional geregelt ist und es unterschiedliche Auffassungen bei der Frage gibt, ob Altpulver ein Rohstoff oder ein Abfallstoff ist. Wir richten uns nach den EU-Richtlinien. Demnach sind Pulverlacke "grün" gelistet und können stofflich verwertet werden.

Rund 8000 t Pulverlacke verarbeitet Nelco pro Jahr, indem es damit reaktive Pulversysteme herstellt. Diese dienen u.a. als Klebepulver für die Herstellung akustischer Formteile. Welche weiteren Nutzungsmöglichkeiten gibt es?

Es gibt zahlreiche weitere Anwendungsmöglichkeiten, die aber derzeit noch weiter erforscht und entwickelt werden. Dazu zählt der Bereich "weiße Ware", wo z.B. Waschmaschinen oder Kühlschränke mit gepressten Matten als akustisches Dämm­material flammhemmend ausgestattet werden. Eine weitere interessante Anwendung sind wasserbeständige Platten, die zudem für eine hohe Trittschalldämmung sorgen. Darüber hinaus befasst sich ein aktuelles Projekt mit der Geräuschdämmung im Straßenbau. Ziel des langjährigen Projekts, das wir mit einer internationalen Firma durchführen, ist der Einsatz der Altpulver für die Herstellung von Flüsterasphalt. Derzeit laufen Versuche, um den Verschleiß des Asphalts zu testen.

Zum Netzwerken:
Nelco GmbH, B-Gent, Arnd Nelde, Tel. +32 9 237-0566, anelde@nelco.be, www.nelco.be

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