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03.12.2020

Metalllackierung

Automobillackierung, Metalllackierung, Umwelttechnik: 13.12.2013

Nachhaltig unterwegs

Dr. Jobst Leupold, Lackierereileiter im VW Werk Stöcken, über effiziente und nachhaltige Prozesse

Bei Volkswagen Nutzfahrzeuge in Hannover-Stöcken werden drei Fahrzeugtypen lackiert: der Volkswagen Transporter, der Volkswagen Amarok sowie der Porsche Panamera. Lackiert wird zum Großteil vollautomatisch und unter Reinraumbedingungen. besser lackieren. sprach mit Dr. Jobst Leupold, Leiter der Lackiererei, über Korrosionsschutz, Colour Matching und nachhaltige Lackierprozesse.

Bei VW in Stöcken werden auf der Linie 3 mit Amarok, Panamera und T5 drei Fahrzeugtypen im laufenden Wechsel lackiert. Bei diesem Amarok applizieren die Lackierroboter gerade einen braunen Basecoat. Quelle: Redaktion

Bei VW in Stöcken werden auf der Linie 3 mit Amarok, Panamera und T5 drei Fahrzeugtypen im laufenden Wechsel lackiert. Bei diesem Amarok applizieren die Lackierroboter gerade einen braunen Basecoat. Quelle: Redaktion

Sie lackieren auf drei Linien und insgesamt 222.535 m² – wie viel Lack verbrauchen Sie täglich?

Das hängt vom Fahrzeug-modell ab. Beim Amarok beispielsweise kommen inklusive Phosphatierung, KTL, Unterbodenschutz, Abdichtung, Füller, Basis- und Klarlack und dem Hohlraumwachs rund 30 kg pro Fahrzeug zusammen – von denen nach der Trocknung natürlich nur ein Teil auf der Karosserie verbleibt. Am Ende beträgt der Aufbau bei insgesamt fünf Schichten ja nur rund 120 µm, also nur etwas mehr als ein Zehntel Millimeter. Bei durchschnittlich 120 lackierten Amaroks pro Tag kommt also einiges zusammen.

Wie viele Farbtöne kommen zum Einsatz?

Über 100 Farbtöne stehen bereit – je nach Kundenwunsch. Die Farbwechsel erfolgen vollautomatisch und in Sekundenschnelle an den Robotern. Auf der Linie 3 lackieren wir beispielsweise alle drei Fahrzeugtypen im Wechsel. Da kann es passieren, dass auf einen Amarok ein Panamera folgt und sich dann mehrere T5 anschließen – die Reihenfolge ist typunabhängig, sie wird durch die Auflagenreihenfolge im Karosseriebau vorgegeben. Über Datenträger auf den Skids erhalten die Lackierroboter jeweils die Informationen, welcher Fahrzeugtyp mit welchem Farbton als nächstes an der Reihe ist. Wir lackieren schon lange nicht mehr nach Farben getrennt, sondern jede Karosserie erhält ihren speziellen Ton – ganz egal, welche Farbe voranging.

Dr. Jobst Leupold

Dr. Jobst Leupold

Welche Töne werden am stärksten nachgefragt?

Ganz klar: weiß. Zum einen handelt es sich um einen Trend, denn viele Autos, nicht nur Nutzfahrzeuge, werden aktuell in diesem Ton bestellt. Im Nutzfahrzeugbereich ha-ben sich schon immer weiße Fahrzeuge wegen der späteren Beschriftung angeboten. Weitere Standardtöne sind schwarz und silber. Für selten nachgefragte Töne nutzen wir ein spezielles Kleinstversorgungssystem. 

Stichwort Colour Matching: Einige Anbauteile, darunter Schweller, Stoßfänger und Spiegel, werden von extern zugeliefert. Wie vermeiden Sie Probleme mit der Farbübereinstimmung?

Das ist ein wichtiges Thema. Wir achten bei jeder Lackcharge, die angeliefert wird, auf ein exaktes Farbtonprotokoll. Zu unserem Tagesgeschäft gehört das kontinuierliche Prüfen mit Messtechnik an definierten Messpunkten – stichprobenartig, aber nicht an jeder Karosserie. Besonders heikel ist erfahrungsgemäß die Nähe von Kunststoffanbauteilen, hier wird intensiver geprüft und ggf. korrigiert. Bei weißen Fahrzeugen verzeiht das menschliche Auge übrigens nichts – man nimmt sofort wahr, wenn hier der Farbton nicht 100%ig deckungsgleich ist.

LACKIEREN BEI VW-NUTZFAHRZEUGE (VWN)
Seit der Eröffnung 1956 wurden im Volkswagen-Nutzfahrzeuge-Werk in Hannover-Stöcken neun Millionen Fahrzeuge produziert, darunter auch der berühmte T1. Heute verlassen täglich rund 880 Transporter T5, Amaroks und Panameras die Lackiererei. Allein im ersten Halbjahr 2013 hat VWN weltweit 270.700 Fahrzeuge ausgeliefert. Lackiert wird auf drei Linien, wovon zwei vollautomatisch über Roboter gesteuert sind; auf der ältesten Linie erfolgen noch einige Arbeitsschritte, etwa die Innenlackierung, manuell. Hier kommen zudem noch konventionelle Lacksysteme zum Einsatz. Zwei der Decklacklinien beanspruchen die Lackierung des T5 für sich, die dritte durchlaufen T5, Amarok und Panamera gemeinsam – und zwar im freien Wechsel. Dank elektronischer Informationen am Skid "wissen" die Roboter, um welchen Fahrzeugtyp es sich handelt und welche Farbe lackiert wird. Die Farbwechsel erfolgen in Sekundenschnelle. Die Lackiererei ist über Jahrzehnte kontinuierlich gewachsen und umfasst heute mehrere Gebäudeteile. Um Verunreinigungen, Staubeinschlüsse etc. zu vermeiden, sind die Lackierlinien weitgehend eingehaust. Nachhaltigkeit ist ein erklärtes Unternehmensziel von Volkswagen. Bis 2018 sollen an allen Standorten die Umweltbelastungen je produziertem Fahrzeug und Komponenten um 25% gegenüber 2010 sinken. Dafür startete das Unternehmen das Nachhaltigkeitsprogramm "Think Blue. Factory", das die Produktionsabläufe optimieren und die Ressourceneffizienz steigern soll.

Im letzten Jahr wurde der Amarok in die Fertigung in Stöcken integriert. Mit wie viel Aufwand ist es verbunden, wenn sich ein neuer Fahrzeugtyp in die Prozesse einreiht?

Da steckt natürlich einiges an Planung dahinter, vom Beschluss Ende 2010 / Anfang 2011 bis zur Umsetzung vergingen knapp anderthalb Jahre. Eine der Schwierigkeiten bestand beispielsweise darin, dass die Karosserie des Amarok aus zwei Teilen besteht, der Kabine und der Cargobox, die zusammen auf einem Skid die Lackierung durchlaufen. Dafür mussten die Skids, aber auch die Fördertechnik, leicht verändert werden. Um die Cargobox auch von innen vollständig beschichten zu können, haben wir zusätzliche Roboter in die Linien integriert. Diese kommen jetzt auch bei den anderen beiden Fahrzeugtypen zum Einsatz. Eine weitere Änderung, die nötig wurde, betrifft die Reinigung der Cargobox vor der Füller-Applikation: Hier nutzen wir jetzt Schwertbürsten statt der Emufedern, die wir bis dahin beim T5 und beim Panamera mit Erfolg einsetzten. Bei der Cargobox hat dieses System nicht funktioniert, da musste eine andere Lösung her.

Sie garantieren den Kunden Ihrer Nutzfahrzeuge einen Korrosionsschutz von zwölf Jahren von innen nach außen. Wie funktioniert das?

Weil jeder Beschichtungsschritt auch gleichzeitig ein Korrosionsschutz ist. Das fängt vor der eigentlichen Lackierung mit der Phosphatierung und der KTL an. Da die Kantenbereiche von Blechen grundsätzlich stark korrosionsgefährdet sind, werden sie nach der KTL bereits mit PVC abgedichtet. Auch der Unterbodenbereich erhält einen speziellen Steinschlagschutz. Dann erfolgt die Applikation von Füller, Basis- und Klarlack sowie des abschließenden Dekors. Dort werden neben den Schriftzügen auch Schutzfolien an Stellen aufgebracht, an denen beim täglichen Gebrauch besonders viel Kontaktbeanspruchung auftritt. Abschließend erfolgt dann die Wachskonservierung. Mit all diesen Schritten und Maßnahmen gelingt uns ein sehr guter Schutz vor Korrosion.

Wie trägt die Lackierung der Fahrzeuge zur Nachhaltigkeitsstrategie von VW bei?

An neuen Volkswagen-Standorten haben wir die Möglichkeit, so material- und energieeffizient wie möglich zu planen und zu bauen. Das fängt bei füllerlosen Prozessen an und setzt sich dann bei Trocknungsverfahren und bei der Lackierstraßen-Konditionierung mit hohem Umluftanteil fort. Stöcken ist ein über viele Jahrzehnte gewachsener Standort, wir lackieren in mehreren Gebäudeteilen und haben einen sehr aufwändigen Fahrzeugfluss. Hier Prozesse komplett neu zu gestalten, ist schwierig. Unser Augenmerk liegt deshalb darauf, nach und nach neue Technologien zu implementieren und stetig durch Prozess- und Ablaufverbesserungen Energie und Material zu sparen. Seit vielen Jahren setzen wir deshalb schon auf wasserbasierte Lacke und liegen, was die Emissionen betrifft, durch viele Maßnahmen bei der Hälfte dessen, was in einer Lackiererei unserer Größenordnung zulässig ist.

Volkswagen AG, Hannover, Dr. Günther Scherelis, Tel. +49 511 7984762, guenther.scherelis@volkswagen.de, www.volkswagen.de

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