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10.08.2020

Metalllackierung

Metalllackierung: 17.02.2014

Neue Regelungen im Korrosionsschutz treten in Kraft

Durch europäisches Stahlbauregelwerk EN 1090 ändert sich viel beim Beschichten

Ab 1. Juli 2014 ist das neue europäische Stahlbauregelwerk EN 1090 verbindlich anzuwenden. Es regelt auch den Korrosionsschutz für Stahlbauten. Während es für den Korrosionsschutz durch Feuerverzinken nur wenig Änderungs- und Handlungsbedarf gibt, ändert sich viel im Hinblick auf Beschichtungen.

Viele Stahl- und Metallbauunternehmen müssen zukünftig prüfen, ob sie EN 1090-gemäße Korrosionsschutzarbeiten selbst ausführen können oder diese an dritte, qualifizierte Unternehmen vergeben.Quelle: Institut Feuerverzinken

Viele Stahl- und Metallbauunternehmen müssen zukünftig prüfen, ob sie EN 1090-gemäße Korrosionsschutzarbeiten selbst ausführen können oder diese an dritte, qualifizierte Unternehmen vergeben.Quelle: Institut Feuerverzinken

Mit der verbindlichen Gültigkeit der EN 1090 dürfen Hersteller tragender Stahlbauteile diese Produkte in den EU-Mitgliedstaaten nur noch mit CE-Kennzeichnung auf den Markt bringen. Damit wird die Übereinstimmung (Konformität) eines Produkts mit den jeweils maßgeblichen Richtlinien und technischen Spezifikationen dokumentiert. Zu den neuen Pflichten gehört zudem die Einrichtung und Durchführung einer werkseigenen Produktionskontrolle (WPK). Für eine Zertifizierung müssen Hersteller der notifizierten Stelle gegenüber nachweisen, dass sie über das fachlich qualifizierte Personal verfügen, dokumentierte Prozesse und ihr WPK-System anwenden sowie die erforderliche technische Ausstattung besitzen. In der neuen Ausführungsnorm EN 1090-2 "Teil 2: Technische Regeln für die Ausführung von Stahltragwerken" ist auch der Korrosionsschutz geregelt. Demnach hat der Hersteller (i.d.R. das ausführende Metall- oder Stahlbauunternehmen), der die Konformität des Produkts bestätigt, auch für die fachgerechte Ausführung des Korrosionsschutzes die Verantwortung zu tragen. Für den Korrosionsschutz an Stahltragwerken sind grundsätzlich Feuerverzinken,  thermisches Spritzen und Beschichtungen (inklusive Duplex-Systeme) möglich. Nach Anhang F der EN 1090 Teil 2 müssen die Anforderungen an den Korrosionsschutz (Schutzdauer, Korrosivitätskategorie etc.) in den Ausführungsunterlagen durch den Hersteller, d.h. durch das Metall- oder Stahlbauunternehmen, festgelegt werden.

Korrosionsschutz noch selbst ausführen?

Aussagen des Instituts Feuerverzinken zufolge werden viele dieser Unternehmen zukünftig nicht mehr in der Lage sein, die Ausführung von Korrosionsschutzarbeiten EN 1090-konform intern zu erfüllen, da in der Regel mit der notwendigen Zertifizierung erhöhte Anforderungen an die technische Ausstattung, die Dokumentation, die fachliche Qualifikation der Mitarbeiter und der Kontrolle verbunden sind. Neben hohen Investitionskosten in Anlagentechnik, die dann zumeist nicht wirtschaftlich ausgelastet werden kann, wären die Einstellung eines Korrosionsschutzfachmannes notwendig oder erhebliche Schulungsmaßnahmen erforderlich. Vor diesem Hintergrund ist die Vergabe von Korrosionsschutzarbeiten an dritte, entsprechend qualifizierte und zertifizierte Fachunternehmen sinnvoll.

FAZIT
EN 1090 regelt in Teil 2 Anhang F den Korrosionsschutz für Stahltragwerke und macht hier eine Fülle von Vorgaben. Dies hat die Konsequenz, dass die Mehrheit der Stahl- und Metallbauer zukünftig nicht mehr in der Lage sein wird Korrosionsschutzarbeiten selbst auszuführen. Im Hinblick auf Beschichtungsarbeiten durch Dritte gibt es derzeit noch
diverse offene Fragen bezüglich klarer Ausführungs- und Zertifizierungsvorgaben. Diesbezüglich etablieren sich derzeit Gütegemeinschaften für Beschichtungsarbeiten, die die fachliche Ausführung von Beschichtungsarbeiten begleiten und zertifizieren. Für den Korrosionsschutz durch Feuerverzinken ergeben sich durch die EN 1090 keine wesentlichen Neuerungen, da durch die im Jahr 2009 eingeführte DASt-Richtlinie 022 auch die Anforderungen der EN 1090 vollumfänglich erfüllt werden.

Das Wichtigste zum Beschichten gemäß EN 1090

Beschichtungsarbeiten dürfen gemäß EN 1090 nur durch Unternehmen ausgeführt werden, die entsprechend qualifiziert sind. Der Nachweis kann für jeden Auftrag durch eine fachlich geeignete Fremdüberwachung erbracht werden. Ein anderer Weg sind europäisch anerkannte "Gütesiegel". Durch vorgeschriebene, laufende Produktionskontrollen und deren Überprüfung durch unabhängige Institute kann hier ein genereller Nachweis geführt werden. Für Tragwerke aus Stahl betrifft dies das Beschichten mit Flüssig- sowie mit Pulverlacken. Die Oberflächenvorbereitung muss den Anforderungen von EN ISO 12944-4 und EN ISO 8501 entsprechen, z.B. durch Strahlen. Handentrosten und handmaschinelles Entrosten sind laut EN 1090 hierzu keine geeigneten Verfahren. Durch eine fachgerechte Oberflächenvorbereitung muss eine normgerechte Oberflächenreinheit und -rauheit erreicht werden. Unmittelbar vor dem Beschichten ist die Oberflächenbeschaffenheit des Bauteils zu überprüfen, um sicherzustellen, dass diese den geforderten Festlegungen gemäß EN ISO 12944-4, EN ISO 8501, EN ISO 8503-2 und den Empfehlungen des Herstellers für das aufzubringende Produkt entspricht. Die Beschichtung ist gemäß EN ISO 12944-7 auszuführen. Erfolgt das Beschichten in mehreren Schritten, muss für jede Schicht eine unterschiedliche Farbschattierung verwendet werden. Soll die Schutzdauer größer als fünf Jahre bei einer Korrosivitätskategorie von C3 oder darüber sein, muss die Stahlkonstruktion gerundete oder gefaste Kanten gemäß EN 12944-3 aufweisen und die Kanten sind mit einem streifenförmigen Überzug mit einer Breite von 2,5 cm beidseitig der Kante zu schützen. Beschichtete Bauteile dürfen erst nach Ablauf der Aushärtezeit verpackt werden.

Die folgenden Routineüberprüfungen sind im Hinblick auf die Ausführung von Beschichtungen fachgerecht durchzuführen:

  • Reinheit und Rauheit vor dem Beschichten
  • Schichtdickenmessung jeder Beschichtungsschicht
  • Sichtprüfung gemäß EN ISO 12944-7

Für die fachgerechte Aus-führung dieser Arbeiten hat das ausführende Unternehmen eine werkseigene Produktionskontrolle einzurichten und diese durch eine anerkannte Stelle (notified body) extern überprüfen und zertifizieren zu lassen. Für Beschichtungsarbeiten haben sich dazu einige Gütegemeinschaften am Markt gebildet. Mit dem Zertifikat der Gütegemeinschaft können ausführende Beschichtungsunternehmen dem eigentlichen Hersteller die fachgerechte Ausführung der Korrosionsschutzarbeiten nach EN 1090 nachweisen.

Institut Feuerverzinken GmbH, Düsseldorf, Tel. +49 211 6907650, info@feuerverzinken.com, www.feuerverzinken.com

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