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20. Apr 2017 // Schienenfahrzeuge

Hier fährt die Kabine, nicht der Zug

Der Schienenfahrzeughersteller Alstom hat eine verfahrbare Lackieranlage in Betrieb genommen. Sie verkürzt den Zeitaufwand für notwendige Wartungs- und Lackierarbeiten.

Die 30 m lange, 6,5 m breite und 7 m hohe Kabine fährt über den stehenden Zug. Längsseitig angebrachte Hebebühnen bieten den Lackierern in Verbindung mit den Beleuchtungseinheiten ergonomische und sichere Arbeitsbedingungen. Quelle (vier Fotos): LUTRO

In Braunschweig betreibt der Schienenfahrzeughersteller Alstom ein Service- und Wartungszentrum, das er jetzt mit einer kombinierten Lack­ier- und Trockenanlage von LUTRO ausgestattet hat. Der Clou dabei: Nicht der Zug fährt durch die Lackierkabine, sondern die 30 m lange, 6,5 m breite und 7 m hohe Kabine über den stehenden Zug. Dazu ist sie auf Schienen gelagert und kann – motorisch angetrieben – auf drei Stationen mit einem Gesamtverfahrweg von 90 m positioniert werden.

Zwei Torsysteme

Flexible Torsysteme ermög­lichen es, komplette Züge bis zu einer Länge von 100 m zu lackieren, ohne sie dafür elek­trisch und mechanisch zu trennen. Der Vorteil besteht für Alstom darin, dass zeitgleich zum Lackierprozess an anderen Bereichen des Zuges gearbeitet werden kann. "Die Durchlaufzeit ist oft ein entscheidender Faktor für unsere Kunden. Ausfallzeiten, in denen ein Zug nicht betrieben werden kann und zur Wartung muss, sind teuer.

Speziell ausgeschnittene Schablonen sorgen für Kabinendichtheit bei geöffneten Ein- und Ausfahrttoren.

Speziell ausgeschnittene Schablonen sorgen für Kabinendichtheit bei geöffneten Ein- und Ausfahrttoren.

Gasflächenbrenner, eine Wärmerückgewinnung und frequenzgeregelte Lüftungsaggregate sorgen für eine effiziente Energienutzung.

Gasflächenbrenner, eine Wärmerückgewinnung und frequenzgeregelte Lüftungsaggregate sorgen für eine effiziente Energienutzung.

Die schienengeführte Großraumlackierkabine kann einen Gesamtverfahrweg von 90 m zurücklegen und an drei Stationen positioniert werden.

Die schienengeführte Großraumlackierkabine kann einen Gesamtverfahrweg von 90 m zurücklegen und an drei Stationen positioniert werden.

Mit dieser Investition wollen wir die Kosten für die Betreiber senken und so eine besonders gute Wirtschaftlichkeit für unsere Kunden bei der Durchführung von Modernisierungsmaßnahmen gewährleisten", sagt Daniel Croonen, Leiter Services für Alstom in Deutschland. Die Torsysteme der Kabine bestehen aus einer Kombination von Rolltoren und spe­ziell ausgeschnittenen Scha­blonen, die als Schiebesysteme ausgeführt sind, um größt­mögliche Kabinendichtheit bei geöffneten Ein- und Ausfahrt­toren zu erreichen. Die Scha­blonen können eng an die Kontur des Schienenfahrzeugs herangezogen werden und verhindern das Austreten des Lacknebels. Im Innern ist die Kabine an beiden Längsseiten mit zwei druckluftbetriebenen und dreidimensional verfahrbaren Hebebühnen ausgestattet. Sie ­bieten zusammen mit großzügig dimensionierten Beleuchtungseinheiten ergonomisch und sicher gestaltete Arbeitsplätze. Die Lackieranlage verfügt über eine Segmentsteuerung, die es ermöglicht, dass nur der tatsächlich benötigte Arbeitsbereich aktiv belüftet und abgesaugt wird. Im Vergleich zu einer einfachen vollbelüfteten Lackierkabine werden der Heizenergie- und Strombedarf deutlich reduziert und Energiekosten von über 50% eingespart. Die Anlagentechnik und ein Lackmischraum wurden in der Peripherie der Anlage installiert. In ihren Funktionen übertrifft die verfahrbare Lackieranlage die derzeit gültigen, europäischen Normen und Sicherheitsanforderungen. Zudem schafft sie für die beschäftigten Lackierer und die Werker in der Montagehalle optimale Arbeitsbedingungen. Nach erfolgreichem Probebetrieb und ausführlichen Mitarbeiterschulungen nutzt der Schienenfahrzeughersteller die Anlage nun zur Lackierung von Komponenten über Einzel-Wagenkästen bis hin zu kompletten Schienenfahrzeugen. Er setzt damit einen Meilenstein für die zukunftsorientierte Modernisierung und Instandhaltung von Schienenfahrzeugen – unter Berücksichtigung aller gegebenen Ressourcen im Bereich energiesparsamer Betrieb und verantwortungsbewusster Umweltschutz.

ENERGIETECHNIK

Mit dem Einsatz von Gasflächenbrennern, der Wärme­rückgewinnung mit Kreuzstrom-Plattenwärmetauscher und frequenzgeregelten Lüftungsaggregaten werden 60% an elektrischer und Heizenergie gespart. Die Gasflächenbrenner besitzen einen Wirkungsgrad von annähernd 100% und ermöglichen eine emissionsfreie sowie energiesparende Beheizung der Lackier- und Trockenkabine. Die Wärmerückgewinnung kommt ohne Sekundärenergie aus und halbiert dank hohen Wirkungsgrads den Wärmeenergiebedarf. Sämtliche elektrischen Aggregate minimieren durch den Einsatz einer Frequenzregelung den Stromverbrauch. Die komplette Anlage wird mittels einer SPS-Steuerung geregelt.

LUTRO Luft- und Trockentechnik GmbH, Leinfelden-Echterdingen, Ralf Dürr-Krouzilek, Tel. +49 711 79094-13, info@lutro.de, www.lutro.de

Bücher

Arbeits- und Aufgabenheft der Lackiertechnik

Das Arbeits- und Aufgabenheft unterstützt angehende Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik (VfB) bei ihrer Ausbildung und hilft ihnen dabei, sich optimal auf Klassenarbeiten und Prüfungen vorzubereiten. Es bildet - zusammen mit dem Lernbuch der Lackiertechnik - eine wichtige Grundlage für die Aus- und Weiterbildung in der Beschichtungstechnik. In seiner jüngsten Auflage bietet das Heft einen erweiterten Umfang von insgesamt 120 Seiten sowie aktualisierte Inhalte. Die praxisorientierten Themen und Fragen im neuen Arbeits- und Aufgabenheft befassen sich mit allen relevanten Bereichen der Lackiertechnik, von den Materialien über die verschiedenen Zerstäubungsvarianten bis zum Arbeitsschutz. An die Lackierpraxis angelehnte Fallbeispiele ergänzen das Heft. Das Arbeits- und Aufgabenheft der Lackiertechnik ist jetzt in einer neuen, erweiterten Auflage erschienen. Die Autoren Thomas Feist und Dennis Lehmann haben die Inhalte umfassend überarbeitet und auf den aktuellen Stand gebracht.

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