Created with Sketch.

04. Sep 2022 // Trendbarometer

Optimieren gegen Energiepreise

Jan Gesthuizen

Die Energiepreise bleiben vorerst hoch und volatil. Wie das aktuelle Trendbarometer zeigt, ist dies für energieintensive Unternehmen wie Lackierbetriebe eine enorme Herausforderung.
Balkengrafik, wie Lackierbetriebe auf Energiepreise und Versorgungsunsicherheiten reagieren: 77% optimieren Bestandsanlagen, 43% investieren in eigene Energieerzeugung, 17% investieren in neue, energieeffiziente Anlagen, 10% stellen auf andere Chemie-/Lackmaterialien um, 10% = Sonstiges
Um den hohen Energiekosten zu begegnen, setzen Lackierbetriebe vor allem auf technische Lösungen.
Grafik: Redaktion
Die meisten Unternehmen reagieren zunächst damit, die hohen Kosten an Kunden weiterzugeben. Nachhaltiger ist es, technische Optimierungen vorzunehmen. Daher investieren industrielle Lackierbetriebe derzeit. Auf der technischen Seite steht dabei vor allem die Optimierung bestehender Anlagen im Fokus. 77% der Lackierbetriebe machen aktuell von dieser Möglichkeit Gebrauch. „Durch Optimierungen mit vielen Versuchen ist es uns gelungen, bei der Entfettung den Energieverbrauch um 50% zu reduzieren“, schreibt etwa ein Umfrageteilnehmer. Andere wiederum wollen erst einmal nichts optimieren, da die Projekte kaum bis zum Winter realisierbar wären. Auch das Thema Wärmerückgewinnung wird mehrfach genannt, zum Beispiel aus Kompressoren. Zudem planen die Betriebe teilweise den Brennstoff zu tauschen. So hat ein Lackierbetrieb in drei Stoffbrenner investiert und kann nun flexibel zwischen Erdgas, Flüssiggas LNG und Heizöl wechseln. Ein ähnliches Projekt wurde schon in Ausgabe 13/2022 von BESSER LACKIEREN (Seite 7) vorgestellt. Auch nicht-fossile Brennstoffe werden genannt. So schreibt ein Teilnehmer, dass sein Lackierbetrieb auf Holzhackschnitzel umstellt, die in der Holzwirtschaft als Abfall anfallen.

Eigene Energie erzeugen

Insgesamt 43% der Lackierbetriebe wollen in die eigene Energieerzeugung investieren. Mehrere Betriebe planen oder installieren bereits Photovoltaikanlagen, die direkt vor Ort Strom erzeugen. Günstiger als Netzstrom war Solarstrom schon länger, allerdings dauerte es schon mal zehn Jahre, die Investition wieder einzuspielen. Die hohen Energiepreise lassen die Amortisationszeit nun sinken. Andere investieren in BHKWs oder setzen mit Hackschnitzelheizungen auf Holz als Energiequelle. Doch nicht nur technische Möglichkeiten bleiben den Betrieben, auch klassische betriebswirtschaftliche, auch wenn diese weniger oft genannt werden. So planen aktuell 37% der Betriebe, die Produktion zu drosseln. Deutlich seltener wird die Produktionsverlagerung ins Ausland mit gerade einmal 7% genannt. Eine Betriebsaufgabe können sich sogar nur 3% der Antwortenden vorstellen.
Wie sehr diese Optionen auch umgesetzt werden, muss sich noch zeigen. Genauso wie es nicht leicht ist, in wenigen Wochen vom Gas loszukommen, ist etwa eine Betriebsverlagerung ins Ausland auch keine schnell umzusetzende Lösung. Kurzfristig haben die Lackierbetriebe mit der Weitergabe der Kosten an die Kunden reagiert. Eine deutliche Mehrheit von 63% gibt die Kosten teilweise und immerhin 30% geben sogar die gesamten Kosten weiter. Nur ein sehr kleiner Teil der Lackierbetriebe verzichtet darauf. Die Kosten einfach weiterzugeben, kann aber nur ein Teil der Lösung sein, schließlich sind Preisanpassungen beim Kunden alles andere als willkommen. Einsparungen und technische Lösungen sind daher notwendig und nachhaltiger.

BESSER LACKIEREN befragt für jede Ausgabe Entscheider aus der industriellen Lackiertechnik zu einem aktuellen Thema. Das schnelle Onlineverfahren ermöglicht eine hohe Beteiligung und somit ein exklusives Stimmungsbild.

 

Möchten Sie auch teilnehmen? Eine formlose Email an jan.gesthuizen@vincentz.net genügt.

Sie wollen BESSER LACKIEREN abonnieren?

Sie können zwischen zwei unterschiedlichen Angeboten wählen:

Weitere Pluspunkte: Sie können BESSER LACKIEREN auf dem PC, dem Tablet und dem Smartphone lesen und Artikel in den Ausgaben ab 2016 nachschlagen. Und es dürfen vier Kollegen mitlesen.

Bücher

Arbeits- und Aufgabenheft der Lackiertechnik

Das Arbeits- und Aufgabenheft unterstützt angehende Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik (VfB) bei ihrer Ausbildung und hilft ihnen dabei, sich optimal auf Klassenarbeiten und Prüfungen vorzubereiten. Es bildet - zusammen mit dem Lernbuch der Lackiertechnik - eine wichtige Grundlage für die Aus- und Weiterbildung in der Beschichtungstechnik. In seiner jüngsten Auflage bietet das Heft einen erweiterten Umfang von insgesamt 120 Seiten sowie aktualisierte Inhalte. Die praxisorientierten Themen und Fragen im neuen Arbeits- und Aufgabenheft befassen sich mit allen relevanten Bereichen der Lackiertechnik, von den Materialien über die verschiedenen Zerstäubungsvarianten bis zum Arbeitsschutz. An die Lackierpraxis angelehnte Fallbeispiele ergänzen das Heft. Das Arbeits- und Aufgabenheft der Lackiertechnik ist jetzt in einer neuen, erweiterten Auflage erschienen. Die Autoren Thomas Feist und Dennis Lehmann haben die Inhalte umfassend überarbeitet und auf den aktuellen Stand gebracht.

Das könnte Sie auch interessieren!

0 Kommentare

Sie sind aktuell nicht eingeloggt.

Um einen Kommentar zu hinterlassen, loggen Sie sich bitte ein.

Login
Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.
OK