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Biozide bleiben der Standard

Ein Drittel aller Lackierbetriebe hatte schon einmal Produktionsausfälle, die auf biologischen Befall in der nasschemischen Vorbehandlung zurückzuführen waren. Das zeigt das aktuelle BESSER LACKIEREN Trendbarometer. Die Mehrheit hatte bisher keine Produktionsausfälle zu beklagen, dennoch ist der Anteil gestiegen. Bei einer vergleichbaren Umfrage vor zwei Jahren hatte lediglich ein Viertel der befragten Unternehmen diese Frage bejaht.

Jan Gesthuizen

Grafische Darstellung der im Text erwähnten Daten
Die Mehrzahl der befragten Betriebe hatte schon einen Produktionsausfall durch biologischen Befall. Grafik: Redaktion

Das Ergebnis zeigt, wie wichtig es ist, einem Befall gezielt vorzubeugen. Denn die nasschemische Vorbehandlung bietet oft ideale Bedingungen für Bakterien, Pilze und Hefen. Wässrige Medien mit warmen Temperaturen begünstigen das Wachstum von Mikroorganismen, weshalb das Thema Befall stets im Blick behalten werden muss. Der vermehrte Einsatz von Niedertemperatur-Lösungen kann das Problem zusätzlich verstärken, da hohe Temperaturen, die Mikroorganismen abtöten, nicht mehr erreicht werden.

„Wir waren bereits Initiator einer Arbeitsrunde mit Herstellern und der Deutschen Forschungsgesellschaft für Oberflächenbehandlung e.V. (DFO)“, schreibt ein Umfrageteilnehmer, der bereits mit Befall zu kämpfen hatte. Ein anderer berichtet, dass ein Befall in der KTL-Anlage zu erheblichen Qualitätsproblemen geführt habe und die Ursachensuche langwierig gewesen sei. „Letztendlich sind wir beim chemischen Zusatz Chlordioxid gelandet. Der Einsatz birgt zwar erhebliche Gefahrenpotenziale, ermöglicht uns aber eine kontrollierte Verkeimung“, berichtet ein weiterer Teilnehmer.

Um einen Befall unter Kontrolle zu halten, setzen Unternehmen auf unterschiedlichste Technologien. Der Klassiker ist die Zugabe von chemischen Zusätzen, die Mikroorganismen abtöten sollen. Mit 73% aller Nennungen zeigt sich in der Umfrage, dass diese Methode nach wie vor der Standard ist – auch wenn ihr Anteil gesunken ist.

In der Ausgabe 6/2022 von BESSER LACKIEREN  hatten noch 88% der befragten Lackierbetriebe auf chemische Zusätze gesetzt. Gründe für den Rückgang könnten die Nachteile dieser Zusätze sein. So müssen Betriebe kontinuierlich Material nachkaufen, was allerdings nicht jeden stört: „Wir haben keine Änderung geplant. Unsere Lösung ist einfach zu handhaben, stabil in der Wirkung und auch kostentechnisch überschaubar“, schreibt ein Umfrageteilnehmer, der ausschließlich auf chemische Zusätze setzt. Da Biozide jedoch oft umweltschädlich und stark reguliert sind, sind mittlerweile auch zahlreiche alternative Systeme am Markt etabliert.

Biozidfreie Alternativen

Kein Wunder, dass es auch alternative Verfahren gibt. So setzen etwa 33% der Lackierbetriebe auf UV-Bestrahlung, bei der Mikroorganismen durch intensive ultraviolette Strahlung abgetötet werden. Allerdings ist eine regelmäßige Reinigung der Lampen erforderlich, da sich tote Organismen darauf ablagern und eine undurchsichtige Schicht bilden können, die die UV-Strahlung blockiert. Vereinzelt berichten Umfrageteilnehmer von Problemen mit dieser Methode.

Eine weitere biozidfreie Alternative ist der Einsatz von Ozon, das beispielsweise in den VE-Wassertank eingebracht werden kann. Das aggressive Gas tötet nicht nur Mikroorganismen, sondern zersetzt sie auch, sodass Rückstände minimiert werden. Vergleichsweise beliebt – wenn auch auf niedrigem Niveau – ist der Einsatz von Filtertechnik, bei denen Mikroorganismen physisch aus den Becken gefiltert werden. Ein Beispiel dafür findet sich auf Seite 8 von BESSER LACKIEREN 4/2025: Die Firma Rittal setzt auf Ultrafiltration, um Becken von Öl und anderen Verunreinigungen zu befreien. Zwar verhindert diese Methode nicht den Eintrag biologischer Verunreinigungen aus der Raumluft, doch sie senkt die Keimbelastung deutlich.

Noch kein Einsatz mit Elektroimpulsbehandlung

Ein weiteres alternatives Verfahren ist die Elektroimpulsbehandlung. Hierbei soll ein elektrisches Feld die Zellmembranen von Mikroorganismen polarisieren und so schädigen, dass sie schließlich absterben. Ein Forschungsprojekt des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) widmete sich dieser Technologie bereits 2017. Im aktuellen Trendbarometer gibt es jedoch noch keinen Lackierbetrieb, der dieses Verfahren einsetzt.

Egal, welche Technologie oder Kombination von Maßnahmen die Lackierbetriebe nutzen – Mehrfachnennungen waren in der Umfrage möglich – eine regelmäßige Reinigung von Vorratsbehältern und Leitungen bleibt mit 67% Nennungen ein zentraler Bestandteil gängiger Hygienekonzepte. Zudem spielt das Personal eine wichtige Rolle: Ein Umfrageteilnehmer betont, dass Mitarbeiter gut geschult sein müssen, um Verschmutzungen von außen – etwa durch Arbeitskleidung – zu vermeiden.

Lackierbetriebe, die Teil des BESSER LACKIEREN Trendbarometers sein wollen, können sich an jan.gesthuizen@vincentz.net wenden, um in den Umfrageverteiler aufgenommen zu werden.