Marktgeschehen Trendbarometer

Die Temperatur im Blick

Die präzise Temperaturkontrolle in Lackieröfen entscheidet über Qualität, Kosten und Kundenzufriedenheit. Wie Lackierbetriebe mit der Ofentemperatur umgehen, zeigt das aktuelle Trendbarometer.

Grafische Darstellung Trendbarometer 3/2026
Über ein Viertel aller befragten Lackierbetriebe misst täglich die Ofentemperatur, fast einem Fünftel (19%) reicht alle paar Monate aus. Grafik: Redaktion

Lacke sind anspruchsvolle Chemie – sie benötigen exakt definierte Temperaturen über einen bestimmten Zeitraum, um einerseits vollständig auszuhärten und andererseits nicht zu überbrennen. Stimmt das Temperaturprofil nicht, zeigt sich das schnell an der Oberfläche: Der Lack bleibt weich, haftet schlecht oder die Farbe stimmt nicht. Im schlimmsten Fall muss das gesamte Bauteil nachbearbeitet oder aussortiert werden. Die Ofentemperatur zu messen, sorgt also direkt für eine höhere Wirtschaftlichkeit, da so einerseits teure Lackierfehler vermieden werden und zudem optimale Verweildauern sowie geringere Energiekosten gesichert werden können. Ein Blick auf die Ofensteuerung reicht dafür nicht aus – denn diese zeigt nur die Lufttemperatur im Inneren, nicht aber, welche am Werkstück selbst ankommt.

Das Wissen darum ist weit verbreitet, so geben 77% aller befragten Lackierbetriebe an, üblicherweise beides zu messen, also Luft- und Werkstücktemperatur. Gegenüber einer gleichartigen Befragung vor zwei Jahren hat sich dieser Anteil allerdings leicht verringert, wohingegen der Anteil derjenigen, die meist ausschließlich die Lufttemperatur messen, sich deutlich erhöht hat und nun bei 19% liegt, gegenüber 4% im Jahr 2024. Allerdings war die Fragestellung nach üblichen Messungen, nicht nach sämtlichen. Wer zumindest immer mal wieder die Objekttemperatur misst und gleichbleibende Teile lackiert, dürfte sich für eine gewisse Zeit mit einer gelernten Korrelation behelfen können.

Große Bandbreite bei der Regelmäßigkeit

Größer ist die Bandbreite dagegen bei der Häufigkeit der Messung. Während über ein Viertel aller befragten Lackierbetriebe täglich die Ofentemperatur misst, reicht fast einem Fünftel (19%) alle paar Monate aus. Wie oft und wo gemessen wird, hängt nicht unbedingt immer von persönlichen Vorlieben oder Erfahrungen des Lackierbetriebs ab, sondern von definierten Regeln. Qualitätsgemeinschaften machen klare Vorgaben, Umfrageteilnehmer nennen beispielsweise mehrfach die QIB. Ein weiterer Umfrageteilnehmer verweist auf seine Kunden in der Medizintechnik: „Wir messen zum einen, um Qualität sicherzustellen, zum anderen zur Rückverfolgbarkeit, was nach Medizintechniknorm verlangt wird.“

Viele Messmethoden

Um die Temperatur zu messen, steht den Betrieben eine ganze Reihe an Möglichkeiten zur Verfügung, die sich in Aufwand und Aussagekraft deutlich unterscheiden. Der Goldstandard ist sicherlich der Durchlauf-Datenlogger. Dabei wird ein hitzebeständiges Messgerät mit Temperaturfühlern bestückt und gemeinsam mit den Werkstücken durch den Ofen geschickt. Das Gerät zeichnet sekundengenau auf, wie sich die Temperatur am Bauteil entwickelt – vom Aufheizen über die Haltephase bis zum Abkühlen. Die so gewonnenen Ofenkurven zeigen exakt den Temperaturverlauf am Messpunkt des Werkstücks.

Die tägliche Überwachung übernehmen oft fest installierte Thermoelemente. Diese sind an verschiedenen Stellen im Ofen angebracht und liefern kontinuierlich Daten über die Lufttemperatur an die Steuerung. Weicht die Temperatur vom Sollwert ab, können die Lackierbetriebe zügig reagieren.

Schnelle Stichproben ermöglichen sogenannte Infrarot-Pyrometer. Mit diesen Handgeräten lässt sich die Oberflächentemperatur berührungslos erfassen – etwa direkt nach dem Verlassen des Ofens. Besonders günstig sind Temperaturmessstreifen. Diese Aufkleber verändern ihre Farbe irreversibel, sobald eine bestimmte Temperatur erreicht wird. Sie eignen sich als grobe Orientierung, etwa ob eine Mindesttemperatur überhaupt erreicht wurde oder eine Maximaltemperatur überschritten wurde. Sie liefern aber keine Informationen über Zeitverläufe. Am Ende kommt es auf die sinnvolle Kombination der Messmethoden an, um den perfekten Kompromiss zwischen Aufwand und Genauigkeit zu finden.

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