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Lieferketten bei Lack sicherer
In den letzten Jahren ist die Konsolidierung am Markt für Lackhersteller weiter vorangeschritten. Doch bedeuten weniger Lieferanten schon Probleme bei der Beschaffung?
Industrielackhersteller werden weniger. Zuletzt sorgte der Zusammenschluss zwischen Akzo Nobel und Axalta, zwei globalen Milliardenkonzernen, für Aufsehen. Und die Liste an namenhaften Herstellern, die in den letzten Jahren gekauft wurden, ist nicht kurz. Von Weilburger, über CWS bis hin zu Wörwag oder dem Verkauf der Industrielacksparte von SIKA an Sherwin-Williams. Nicht wenige dieser Übernahmen fallen zeitlich eng zusammen mit den gestörten Lieferketten während der Corona-Krise oder dem Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine. Krisenzeiten, sind eben oft auch Übernahmezeiten.
Dass Lackanwender ihre Lieferketten daher im Blick behalten müssen, ist also kaum von der Hand zu weisen. Wie Lackierbetriebe mit der Beschaffung von Lackmaterial umgehen, ist sehr unterschiedlich geregelt. Zum einen sind Lohnlackierer allein durch die Vielzahl an Auftragnehmern oft gezwungen, eine sehr hohe Anzahl an unterschiedlichen Lacken vorzuhalten, was zu entsprechend hohen Lieferantenzahlen führt und die Vorratshaltung zu einer echten Herausforderung machen kann. Inhouse-Lackierer mit einer Serien-Produktion haben es da zumindest meistens einfacher und können sich auf weniger Lieferanten konzentrieren. Allerdings mit dem Risiko, dass es zu Produktionsausfällen oder Stillständen kommt, wenn ein Lieferant mal in Verzug kommt und nicht genug Alternativen zur Verfügung stehen.
Deutliche Entspannung
Die Umfrage zeigt, alles in allem hat sich die Lage für Lackierbetriebe zuletzt deutlich entspannt. Zuletzt fragte BESSER LACKIEREN Lackierbetriebe 2023 zur Liefersituation. Damals bezeichneten 40% der befragten Unternehmen ihre Liefersituation als entspannt. Dieser Wert ist aktuell auf 52% gestiegen. Zudem gab es 2023 noch wenige Unternehmen, die von einer kritischen Liefersituation gesprochen haben, aktuell tut das niemand mehr. Allerdings seien Preissteigerungen inzwischen Normalität, beklagen einige Umfrageteilnehmer, während viele ihre Lieferanten loben. Als „Sehr gut” bewertet etwa ein Anwender seinen Lieferanten. „Im Wesentlichen beruht die Bewertung auf schnellen Reaktionen im Falle von kleineren Problemen und die gute anwendungstechnische Betreuung”, so die Begründung.
Die Betriebe stehen also alles in allem besser da. Zum einen hilft sicherlich, dass die globalen Lieferketten damals deutlich angespannter waren, das Umfeld hat sich also beruhigt. Ob das so bleibt, ist bei der derzeitigen geopolitischen Lage leider kaum seriös abzuschätzen. Zu erwähnen ist, dass es durchaus Lackierbetriebe gibt, die auf einen einzigen Lieferanten setzen, dies aber die Ausnahme ist.
Die Umfrage zeigt, dass einige Lackierbetriebe reagiert haben. „Im Rahmen der Corona-Krise kam es zu Engpässen in der Verfügbarkeit, was zu einer Substitutionsmaßnahme geführt hat“, erläutert ein Teilnehmer. Auch wenn die Mehrzahl die gleiche Zahl an Lieferanten hat und 19% sogar weniger, haben 27% der befragten Unternehmen die Zahl an Lacklieferanten erhöht. Und das offenbar teils recht deutlich. Derzeit haben Lackhersteller im Durchschnitt acht Lacklieferanten, vor gut drei Jahren waren es fünf. Von denjenigen die die Lieferantenzahl erhöht haben, haben einige das also teils massiv getan.
Problem kleine Mengen
Kritische Stimmen gibt es trotzdem. Vor allem bei kleinen Mengen und Sonderfarben sind Lackierbetriebe offenbar zunehmend unzufrieden. Während die Industrie weltweit über Losgröße 1, Individualisierung und Kleinserien spricht, äußern sich auffällig viele Umfrageteilnehmer kritisch zur Lieferbarkeit bei geringen Lackmengen. Während einige Verständnis zeigen, etwa weil geringe Pulvermengen nach Bedarf hergestellt werden müssen und die Kundenaufträge dafür eben unregelmäßig kommen, sind andere sind deutlicher: „Was auffällt ist, dass immer mehr Lacklieferanten auf Mindestbestellmenge (größer 50 kg) umstellen“, erklärt ein Umfrageteilnehmer und verweist darauf, dass diese Mengen bezüglich Lackmenge und dessen Haltbarkeit problematisch seien. Das mache Kleinmengen auch wirtschaftlich schwierig. Konkrete Auswirkungen durch Übernahmen berichten einzelne Umfrageteilnehmer allerdings schon, auch wenn die Lieferketten heute insgesamt besser dastehen. So seien Lacksysteme nach Übernahmen durch Konzerne aus dem Programm genommen worden oder die Preise übermäßig erhöht worden. Es bleibt abzuwarten, ob die Konzentration bei den Lackherstellern weiter voranschreitet oder vielleicht sogar neue Anbieter auf den Markt drängen. Zumindest aktuell scheint die Lage verkraftbar.
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