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Wie Lackierbetriebe entlacken

Gründe zum Entlacken gibt es viele. Manchmal müssen Teile nach langer Zeit überholt werden, mal sind Lackierfehler der Grund oder aber Lackierhaken und Gestelle müssen von Lack befreit werden, um die notwendige Leitfähigkeit sicherzustellen. Auf welche Verfahren Lackierbetriebe dabei setzen, zeigt das aktuelle Trendbarometer.

Grafische Darstellung der im Text erwähnten Daten
Die Mehrzahl der Lackierbetriebe setzt mechanische Entlackung ein. Grafik: Redaktion

Zum Einsatz kommen bei den meisten Lackierbetrieben mehrere Verfahren, wobei die mechanische Entlackung mit 69% bei über zwei Dritteln zum Einsatz kommt und damit die mit Abstand beliebteste Methode ist. Innerhalb der mechanischen Entlackung ist das Strahlen die mit Abstand häufigste Methode. 79% der Lackierbetriebe, die mechanische Verfahren anwenden, setzen es ein. Dies ist kaum verwunderlich, überzeugt das Strahlen doch mit einer effektiven Lackentfernung und erlaubt, große Flächen effizient und schnell zu entlacken und dabei ein homogenes Ergebnis zu erzielen.

Das Schleifen folgt mit 45% auf Platz zwei und punktet etwa mit der gezielten Bearbeitung von kleinen oder für das Strahlen nicht zugänglichen Flächen, bedeutet jedoch einen größeren manuellen Aufwand. An letzter Stelle folgt mit 18% das Strahlen mit Trockeneis, also gefrorenem CO₂. Im Gegensatz zu den anderen mechanischen Verfahren ist es sehr schonend und vor allem rückstandsfrei – das Strahlmittel CO₂ entweicht einfach über die Luft. Es ist vor allem für schonende Entlackungen geeignet, hat jedoch auch Einschränkungen beim Lacktyp.

Chemische Entlackung beliebt

Mit 56% aller Lackierbetriebe kommt bei etwas mehr als der Hälfte der Unternehmen zudem ein chemisches Verfahren zum Einsatz. Von den Betrieben, die auf diese Technologie setzen, nutzen mit 78% die meisten wässrig-alkalische Lösungen, die in der Regel innerhalb der chemischen Verfahren als die umweltfreundlichste Variante angesehen werden. So sind sie beispielsweise meist VOC-arm oder gar frei. Organische Lacklöser kommen noch bei 44% zum Einsatz, während die saure Entlackung mit 11% eher ein Nischendasein fristet. Sie kommt bei einigen Lacksystemen zum Einsatz, die durch andere Verfahren nicht gut gelöst werden können.

Für die chemische Entlackung habe man sich wegen der perfekten Qualität entschieden, erläutert ein Umfrageteilnehmer. Man schätze, dass es keine Rückstände gebe und keinen Angriff auf das Grundmaterial. Wässrig-alkalisch werde aus Kostengründen eingesetzt und komme bei Stahl zum Einsatz. „Die organische Entlackung kommt für Aluminium zum Einsatz, da das Material vom alkalischen Lösungsmittel angegriffen würde.“

Am seltensten kommen thermische Verfahren zum Einsatz. Innerhalb dieser Verfahrenstypen ist die Pyrolyse mit 83% unangefochtener Spitzenreiter. Sie ist breit erprobt und funktioniert auch bei komplexen Bauteilen gut, da die Hitze vor Hinterschneidungen und ähnlichem keinen Halt macht.

Weitere Technologien wie Wirbelstrom- oder Laserentlackung kommen seltener zum Einsatz. Die Wirbelstromentlackung setzt auf heißen Sand, der neben der thermischen Zersetzung auch eine mechanische Abrasion mitbringt und so beispielsweise bei Serienteilen gut eingesetzt werden kann. Die Laserentlackung hingegen besticht durch eine sehr hohe Präzision und kann damit punktuell bzw. extrem selektiv entlacken. Zudem ist das Thema Rückstände bei der Lasertechnik nur von geringer Bedeutung. Allerdings sind hier hohe Investitionskosten üblich, etwa weil häufig eine Roboter- oder Automatisierungsintegration erfolgt, die nötig ist, um die Präzisionsvorteile auch heben zu können.

Entlackung oft extern vergeben

Auffällig ist auch – wie schon bei der vergleichbaren Umfrage im Jahr 2023 –, dass viele Lackierbetriebe für die Entlackung auf externe Partner zurückgreifen. Immer wieder haben die Unternehmen geschrieben, dass sie die Entlackung komplett oder für bestimmte Technologien auslagern, da sie nicht alle benötigten Arten der Entlackung selbst vorhalten können oder wollen.

Lackierbetriebe, die Teil des BESSER LACKIEREN Trendbarometers sein wollen, können sich an jan.gesthuizen@vincentz.net wenden, um in den Umfrageverteiler aufgenommen zu werden.