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„Wir wollen weiterhin eng mit Dürr zusammenarbeiten“

Im Interview mit BESSER LACKIEREN erklärt der zukünftige CEO von Dürr CTS die Ausgliederung des Dürr-Umwelttechnikbereichs und spricht über die Zukunft der Abluftreinigung in der Lackiertechnik.

Dr Sebastian Baumann, Dürr Umwelttechnik
Dr. Sebastian Baumann wird als CEE die Dürr-Abspaltung Dürr CTS leiten. Foto: Dürr

In Kürze wird die Umwelttechnik-Division von Dürr ein eigenständiges Unternehmen. Der US-amerikanische Finanzinvestor Stellex Capital übernimmt die Mehrheit, während Dürr mit 25 Prozent beteiligt bleibt. BESSER LACKIEREN sprach mit Dr. Sebastian Baumann, dem CEO der Division und zukünftigen CEO der Ausgründung, über die Hintergründe der Ausgliederung und die Zukunftspläne.

Herr Dr. Baumann, wie gestaltet sich der Übergang zum eigenständigen Unternehmen?

Wir sind mit der Division Clean Technology Systems (CTS) heute bereits eine eigenständige Division innerhalb von Dürr. In den nächsten Wochen werden wir die Division von den bisher gemeinsam genutzten Bereichen entkoppeln. Dann soll der Übergang zum neuen Eigentümer stattfinden und wir werden als Dürr CTS GmbH am Markt agieren. Wir werden zumindest für eine vorübergehende Zeit mit der Marke Dürr noch im Markt unterwegs sein.

Gibt es schon konkrete Pläne, den Namen zu ändern?

Es gibt noch keine kurzfristigen Überlegungen, aber wir werden uns das sicherlich anschauen.

Können Sie uns mehr über den neuen Eigentümer Stellex erzählen?

Stellex ist ein US-amerikanischer Finanzinvestor, der sich gezielt auf Unternehmen unserer Größe im industriellen Umfeld fokussiert und einen Investitionsschwerpunkt in Europa und USA hat. Das passt sehr gut zu unserem Geschäftsbereich. Sie haben ähnliche Investitionen in der Vergangenheit getätigt und verstehen unsere Geschäftsmodelle und Besonderheiten als globales Unternehmen. Stellex ist spezialisiert darauf, Unternehmen in Wachstumsfeldern wie unserem Abluftreinigungsgeschäft und den neuen Geschäften Wärmespeicherung und CO2-Abscheidung weiterzuentwickeln und zu investieren.

Hat Stellex Unternehmen im Portfolio, die für Sie als Kooperationspartner interessant sind?

Es gibt Überlappungen und Anknüpfungspunkte. Im Grunde werden wir ein unabhängiges Unternehmen sein, können aber das Netzwerk innerhalb eines Finanzinvestors nutzen, um uns auszutauschen oder zu kooperieren.

Wo wird der Firmensitz sein?

Wir bleiben weiterhin auf dem Dürr-Campus in Bietigheim. Wir haben heute schon ein eigenes Gebäude und werden bis auf Weiteres hier auf diesem gemeinsamen Gelände sein, auch weil wir eng mit unseren Kollegen aus der Automotive Division von Dürr zusammenarbeiten wollen.

Was ändert sich für Ihre Kunden?

Für unsere direkten Kunden, die wir aus dem Abluftbereich heraus bedienen, wird sich nichts ändern. Wir bleiben ihr Ansprechpartner mit den gleichen Kontaktpersonen und sind weiterhin ein zuverlässiger Partner. Lediglich im Bereich der Automobillackierereien gibt es Überlappungsbereiche mit anderen Dürr-Einheiten. Bei gemeinsamen Projekten mit Dürr werden wir hier künftig in einem Zulieferverhältnis für den Bereich Automotive von Dürr stehen. Bei reinen Umwelttechnik-Projekten, zum Beispiel im Brownfield, sind wir der direkte Auftragnehmer der Automobilkunden.

Ist eine exklusive Zusammenarbeit mit Dürr geplant?

Wir haben keine Exklusivität vereinbart. Aber wir sind beide Technologie- und Marktführer mit guten, sich ergänzenden Technologien im Portfolio. Wir wollen weiterhin eng und partnerschaftlich zusammenarbeiten, weil wir aus der Ablufttechnik heraus die Automotive-Kunden sehr gut kennen und die hohen Anforderungen der Automobilindustrie verstehen. Übrigens haben wir heute in der Ablufttechnik auch schon ähnliche Partnerschaften mit Maschinen- und Anlagenbauern aus anderen Branchen.

Die 25%-Rückbeteiligung von Dürr unterstreicht diese Partnerschaft?

Genau. Mit dieser Rückbeteiligung signalisiert Dürr, dass es an ein attraktives Geschäftsfeld glaubt, das sich positiv entwickeln lässt. Und es signalisiert auch, dass alle Interesse haben, gemeinschaftlich weiter zusammenzuarbeiten für unsere gemeinsamen Endkunden.

An welchen technologischen Entwicklungen arbeiten Sie aktuell im Bereich der Oberflächentechnik?

Speziell in Bezug auf Lackieren und Oberflächenbehandlung haben wir in den letzten Jahren viel in Richtung CO2-arme und CO2-freie Luftbehandlungssysteme investiert. Diese Technologien lassen sich etwa mit grüner Energie elektrisch betreiben und so können der CO2-Fußabdruck und die Betriebskosten reduziert werden. Das werden wir weiter vorantreiben. Auch dieses Jahr bringen wir wieder neue Produkte auf den Markt, um das Thema CO2-Vermeidung voranzutreiben.

Zusätzlich schauen wir uns Alternativen zu den klassischen Oxidationsverfahren an. Wir überlegen, wie man Wasserstoff nutzen kann, um die Oxidation umzusetzen. Darüber hinaus beschäftigen wir uns mit adsorptiven Verfahren, insbesondere der Abscheidung und Separierung von Stoffströmen, um sie gezielter behandeln zu können. Daran arbeiten wir, um wirklich nachhaltige Abluftreinigungssysteme anzubieten, die den CO2-Fußabdruck und die Betriebskosten reduzieren, aber auch hohe Reinheitsgrade der Luft gewährleisten.

Ein Thema sind ja auch immer Geruchsbelästigungen durch Lackierbetriebe. Haben Sie dafür Lösungen?

Ja, für das Thema Geruch haben wir heute schon viele Applikationen, die wir bedienen. Es gibt häufig Regularien, die sehr stark lokal von der jeweiligen Kommune getrieben werden, weil die Gerüche für die Nachbarschaft eine Belastung darstellen. Unsere RTOs und andere Verfahren behandeln die Lösemittel und andere schädliche Substanzen und verhindern somit zuverlässig Geruchsemissionen.

Der Trend geht zu lösemittelarmen Lacksystemen. Glauben Sie, dass dies Ihren Markt schrumpfen lassen wird?

Dieser Trend ist nicht neu und grundsätzlich richtig. Es wird versucht, Lösemittel zu vermeiden, wo es nur geht. Trotzdem sehen wir, dass gerade beim Trocknen von Lacken auch andere Substanzen in den Lacken eine Herausforderung bleiben. Die Gesamtmenge an Lösemitteln ist bei weitem nicht mehr so hoch wie vor 10-15 Jahren. Durch eine effizientere Verwendung werden die Lösemittel den Abluftreinigungen aber höher konzentriert zugeführt. Im Zusammenspiel mit niedrigeren Emissionsgrenzen werden die Anforderungen an die Abluftreinigung immer höher. Außerdem gibt es andere Zusatzstoffe in den Lackbestandteilen, die eine spezielle Abluftbehandlung erfordern – phosphorhaltige Substanzen etwa erfordern angepasste Lösungen für die Abluftbehandlung.

Wir sehen keine Möglichkeit, komplett auf Abluftreinigung zu verzichten. Wir werden uns immer mehr darauf spezialisieren, dass die Reinigung effizienter wird und die Volumenströme mit Aufkonzentration möglichst effizient behandelt werden können. Eine vollständige Vermeidung von Abluftreinigungsanlagen wird aus unserer Sicht wahrscheinlich nicht passieren.

Wie wirken sich die aktuellen Handelsstreitigkeiten auf Ihr internationales Geschäft aus?

Wir haben heute eigene Standorte, unter anderem in den USA, China, Korea und Indien, und begleiten unsere Kunden weltweit. Internationale Kunden setzen ihre eigenen Standards für Abgasbehandlungssysteme, zusätzlich zu den lokalen Standards, die manchmal etwas niedriger sind. Unser Geschäftsmodell ist es, gerade globale Kunden gut bedienen zu können.

Sehen Sie in aufstrebenden Märkten wie China neue Wettbewerber?

Wir beobachten lokale chinesische Startups und haben auch Wettbewerb in China, aber wir sind weltweit der größte Anbieter von Abluftreinigungsanlagen. Wir investieren sehr viel in unsere F&E-Aktivitäten, um neueste und effizienteste Verfahren zu entwickeln. Da sehen wir positiv in die Zukunft und müssen uns vor dem Wettbewerb nicht verstecken.

Zum Netzwerken:
Dürr Systems AG,  Bietigheim-Bissingen, Dr. Sebastian Baumann, sebastian.baumann@durr.com, www.durr.com