Lackieren in der Wolke

Alle Daten in die Cloud und die Lackiererei unterwegs vom Handy steuern? Wie das aktuelle Trendbarometer zeigt, ist die Realität davon noch ein ganzes Stück entfernt.

So viele Lackierbetriebe nutzen Cloudlösungen: 38% haben eine Cloudlösung
Bei der Nutzung von Clouddiensten schwanken Lackierbetriebe zwischen Vorsicht und Zuversicht. Grafik: Redaktion

Bisher nutzen 38% aller Lackierbetriebe überhaupt eine Cloudlösung, wie sich in der aktuellen Umfrage herausstellt. Das ist sogar weniger als im Durchschnitt über alle deutschen Unternehmen. Laut der europäischen Statistikbehörde Eurostat haben nämlich 42% aller Unternehmen in Deutschland Cloudlösungen im Einsatz. An der Front der digitalen Entwicklung befinden sich Lackierereien damit also nicht. Dennoch herrscht grundsätzlich bei vielen Betrieben eine Offenheit gegenüber dem Thema, denn mit 29% sagt fast ein weiteres Drittel der Umfrageteilnehmer, dass sie sich den Einsatz von Cloudlösungen grundsätzlich in der Zukunft vorstellen können. Ein Drittel jedoch möchte bis keinen Gebrauch von Clouddiensten machen. Gut zwei Drittel der Lackierbetriebe stehen dem Thema also positiv gegenüber. Das war schon einmal mehr.

Im Mai 2020 stellte BESSER LACKIEREN diese Frage ebenfalls in einem Trendbarometer. Damals summierten sich die positiven Antworten auf 74%. Ob die Nutzung von Clouddiensten abgenommen hat, lässt sich daraus nicht ableiten. Die aktuelle Umfrage steht auf einer breiteren Datenbasis, das Ergebnis ist daher im Vergleich zur vorherigen Umfrage repräsentativer. In jedem Fall bleibt die Erkenntnis, in puncto Clouddienste geht es nicht so richtig voran. Das ist nach den letzten Jahren eine überraschende Erkenntnis, da in den meisten Branchen eine regelrechte Digitalisierungswelle durch die Coronapandemie ausgelöst wurde.

Vertrauen fehlt oft

Der Hauptgrund für die Ablehnung von Clouddiensten ist zugleich derjenige, der am schwersten abzustellen ist: mangelndes Vertrauen. Für 25% der Umfrageteilnehmer, die Clouddienste nicht nutzen, ist dies die wichtigste Stellschraube. Weitere Hemmnisse für den Einsatz von Clouddiensten lassen sich grundsätzlich einfacher abstellen, liegen aber oft nicht in der Hand der Lackierbetriebe. Dass es etwa zu viele Lösungen und zu wenig geeignete Schnittstellen gibt, lässt besonders kleinere Betriebe zurück. Große Unternehmen haben zumindest theoretisch die Möglichkeit, zu investieren und individuelle Schnittstellen zu schaffen. Offenbar fehlt es hier an geeigneten Initiativen und praktischen Lösungen der Anlagen und Komponentenanbieter, um Lackierbetriebe auf breiter Front mitzunehmen. Das spiegelt sich auch bei den Unternehmen wider, die den Schritt zur Cloud schon gegangen sind.

Besonders oft nennen Unternehmen hier Officelösungen wie Microsofts „Office 365“ oder „Teams“, die mit der eigentlichen Produktion nur indirekt zu tun haben. „Vorerst, um zwischen den Abteilungen intern und Lieferanten extern eine Plattform für den Informationsaustausch zu haben“, schreibt ein Umfrageteilnehmer. Bei Anlagentechnik und Komponenten passiert bislang also wenig. „Zurzeit werden nur Anwendungen in der Cloud durchgeführt, wo es keine andere Lösung gibt“, schreibt ein Teilnehmer und begründet dies mit der Angst vor Produktionsausfällen bei gestörter Internetverbindung.

Immer verfügbar

Bei allen Hürden darf man nicht vergessen: Viele Lackierbetriebe setzen bereits Cloudlösungen ein. Vor allem die Verfügbarkeit von Daten ist mit 68% der Hauptgrund. Geschätzt wird nicht nur, dass jede berechtigte Person leicht Zugang zu wichtigen Daten erhält, sondern auch, dass dies üblicherweise ortsungebunden möglich ist. So lassen sich Daten von unterwegs oder aus dem heimischen Wohnzimmer abrufen, falls es mal nötig sein sollte. Dinge wie die Fernwartung von Anlagenlieferanten werden erst so richtig mit der Cloud möglich. Genau hier liegt allerdings eine Rückkopplung zu den Hindernissen vor: Die Angst, dass nichtberechtige Personen Zugriff erhalten, ist nicht wegzudiskutieren. Tatsächlich gibt mit 5% der Umfrageteilnehmer eine kleine Gruppe an, die Daten seien in der Cloud sicherer. Dahinter steht der Gedanke, das große IT-Konzerne deutlich mehr Ressourcen in die Datensicherheit investieren können als mittelständische Unternehmen.

Jan Gesthuizen

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