Lackiererei im Wandel

Bereits zwei Jahre nach ihrer Gründung 1998 musste die KLB Blech in Form GmbH ihre Produktion erweitern – die Nachfrage nach Blechbauteilen war groß. Eine Lackiererei hatte der Herbolzheimer Betrieb indes nicht, in der Nähe gab es dafür einen Lohnbeschichter.

An der RFID-Station bestimmt eine Waage die Pulvermenge Foto: Wuppermann -

Als dieser 2006 Insolvenz anmeldete, beschloss die Geschäftsleitung, in eine eigene Lackiererei zu investieren, um die Bauteile für Gehäuse, Nutzfahrzeug-, Maschinen-, Anlagen und Apparatebau selbst zu beschichten. „Wir haben mit drei Mitarbeitern und einer Lackierwand mit Absaugung angefangen“, berichtete Werksleiter Marco Graf, der die Abteilung Beschichtung in Herbolzheim mit aufbaute. „Doch die Aufträge zogen derart an, dass 2007 die Anzahl der Beschäftigten auf 20 Mitarbeiter anstieg und eine eigene Halle für die Lackiererei gebaut werden musste. Weitere drei Jahre später kam ein Neubau für die Pulverbeschichtung hinzu.“ Seit 2011 ist KLB Teil der Wuppermann AG. Entsprechend schnell stiegen die Anzahl der Artikel und die Komplexität der Bauteile. Die produzierte Stückzahl liegt inzwischen bei fast 7000 Artikeln und rund 153.000 Teilen pro Jahr allein in der Abteilung Beschichtung.

6S im Lackierbereich

Diesen rasanten Wandel in den Griff zu bekommen, war eine enorme Herausforderung. „Allen war klar, dass wir das nur hinbekommen, wenn wir einerseits stabile Prozesse fahren und andererseits unser Team von Anfang an in die Veränderungen einbinden“, erklärt Dubec, der den Bereich seit 2014 leitet. Deshalb wurden in Herbolzheim Teile des Lean-Managements eingeführt, zu dem u.a. die 5S-Methode gehört. „Wir waren skeptisch, wie das im Lackierbereich funktionieren würde“, so Dubec. Allerdings setzte man gleich auf 6S, indem der Faktor Sicherheit hinzugefügt wurde. In Workshops erarbeiteten die Mitarbeiter die wichtigsten Grundgedanken des Konzepts und tüftelten an dessen Umsetzung. Die Workshops haben hohe einmalige Kosten verursacht, dafür spart das Lackierteam jetzt jährlich rund 45.000 Euro. Mit Kontinuierlichen Verbesserungsprozessen (KVP) sucht das Team parallel nach Optimierungsmöglichkeiten und sorgt dafür, dass die Mitarbeiter ihre Ideen einbringen. Ein Beispiel war die doppelte Kabinennutzung: „Wir haben eine große Kombi-Lackierkabine im Einsatz und belegten diese nur mit Großteilen. Ein Mitarbeiter hatte die Idee, eine mobile Trennwand zu bauen, damit auch Kleinteile hier lackiert werden können und die Kabine besser ausgelastet ist. Im Rahmen des KVP kommt auch regelmäßig die Deming-Methode „Plan, Do, Act, Check“, kurz PDAC zum Einsatz. Als Beispiel führt Dubec die früheren Abweichungen beim Pulverbestand an: Der reale Bestand stimmte nicht mit den Angaben des Systems überein. Das lag entweder an der Berechnung der Pulvermenge oder an ihrer fehlenden Verrechnung. Das Team beschloss die Einführung einer Pulverwaage an der RFID-Station. So kann die tatsächliche Pulvermenge jedem Auftrag zugeordnet werden. Jährliche Ersparnis: 14.200 Euro.

Reibungsloser Informationsfluss

Zum Strukturwandel gehörte auch die Einführung des Shopfloor-Managements, das ebenfalls aus dem Lean Management stammt. Führungskräfte sind unmittelbar um die Produktion herum platziert, sodass sie direkt mit den Produktionsteams zusammenarbeiten. Wichtiger Bestandteil des Shop Floor Managements ist ein zentrales Board, auf dem alle Mitarbeiter den aktuellen Stand der Fertigung schnell erfassen können. „Dieses Schwarze Brett sorgt für einen reibungslosen Informationsfluss“, resümiert der Abteilungsleiter. Für Julien Dubec war es im Rückblick ein recht langer Weg von der kleinen Lackierung bis zur Systemtechnik. „Wir haben die Mitarbeiter mitgenommen und sie eingebunden, um den Wandel zu schaffen. Das hat sehr gut funktioniert, der Erfolg gibt uns recht.“ Diese Einschätzung teilten die Juroren des BESSER LACKIEREN Awards und zeichneten Wuppermann als Finalist 2017 aus. Seit dem 1. Januar diesen Jahres gehört das Unternehmen zur Lafayette Mittelstand Capital.

BESSER LACKIEREN AWARD 2018: JETZT NOCH TEILNEHMEN
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Bis zum 31. März 2018 haben Lohnbeschichter und Inhouse-Lackierereien der Industrie wieder die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten und Abläufe von der renommierten Fachjury begutachten zu lassen, ein fundiertes Feedback und vielleicht auch einen der sechs Awards zu erhalten. Die Redaktion BESSER LACKIEREN und das Fraunhofer IPA suchen erneut nach auszeichnungswürdigen industriellen Lackierkonzepten.
So funktioniert der Wettbewerb:

  • Unter www.besserlackieren-award.de anmelden
  • Bis zum 31. März 2018 den Online-Fragebogen ausfüllen
  • Auf dem Jurytreffen werden alle Einreichungen evaluiert und anschließend die Finalisten bekanntgegeben
  • Im Sommer führen die Juroren Werksbesichtigungen bei den Finalisten direkt vor Ort durch
  • Im Oktober 2018 werden die Preisträger auf dem BESSER LACKIEREN KONGRESS in Bad Nauheim ausgezeichnet

Die Teilnahme an diesem Benchmark-Wettbewerb ermöglicht auf unkonventionelle Weise, den derzeitigen Stand des eigenen Unternehmens und/oder der Lackierabteilung in allen Aspekten zu ermitteln. Sie erhalten einen direkten Vergleich zu anderen und können sich so mit Wettbewerbern und anderen Marktteilnehmern messen. Unabhängig vom Gewinn in den verschiedenen Kategorien erhält jedes Unternehmen eine detaillierte Auswertung, die im Vergleich Aufschluss zu anderen Firmen gibt.

Zum Netzwerken:
Wuppermann Systemtechnik GmbH, Herbolzheim, Julien Dubec, Tel. +49 7643 910277, julien.dubec@wuppermann.com, www.wuppermann.com

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