Technologien Kunststofflackierung

Wie Oberflächenstrukturen den Farbeindruck beeinflussen

Das Kunststoff-Zentrum SKZ hat gemeinsam mit dem Institut für Psychologie der Universität Würzburg jetzt das Forschungsprojekt „OFHarmonie“ abgeschlossen. Ziel des Projekts war es, zu verstehen, wie die Oberflächenstruktur von Kunststoffbauteilen die visuelle Wahrnehmung von Farbe beeinflusst.

Dr. Silvia Schweizer (Freie Mitarbeiterin BESSER LACKIEREN)

Vergleich Farbmuster und unterschiedliche Oberflächenstrukturen
Wie beeinflusst die Oberflächenstruktur von Kunststoffbauteilen die visuelle Wahrnehmung von Farbe? Dieser Frage gingen das SKZ und das Institut für Psychologie der Uni Würzburg in dem Forschungsprojekt „OFHarmonie“ nach. Foto: Luca Hoffmannbeck, SKZ

Diese Fragestellung ist von hoher Relevanz für Branchen wie die Automobilindustrie, in denen unterschiedlich strukturierte Kunststoffoberflächen harmonisch aufeinander abgestimmt werden müssen. Hintergrund ist, dass die verschiedenen Strukturen von Kunststoffoberflächen die Farbgleichheit zweier nebeneinander verbauter Komponenten beeinträchtigen können.

Das Projekt untersuchte daher die Schwelle, bis zu der diese Unterschiede für Menschen akzeptabel sind und entwickelte Ansätze für eine Kompensation. Langfristiges Ziel ist eine Methode, mit der sich vorhersagen lässt, wie Einfärbungen angepasst werden müssen, um eine möglichst hohe Kontinuität der Farbwahrnehmung bei unterschiedlichen Oberflächenstrukturen und damit eine Akzeptanz durch Beobachter zu erreichen.

Methodik

Die Untersuchung basierte auf einer umfassenden Analyse von Probekörpern. Dabei wurde einerseits die Oberflächenstruktur und andererseits die Einfärbung variiert. Neben konventioneller Messtechnik zum Erfassen von Farbe, Helligkeit, Glanz und Oberflächenparametern kamen erweiterte Verfahren der industriellen Bildverarbeitung zum Einsatz. Ergänzend wurden psychometrische Studien durchgeführt, um die subjektive Wahrnehmung systematisch zu erfassen und mit den messtechnischen Daten abzugleichen.

Ergebnisse und Ausblick

Die Ergebnisse zeigen: Farbmessungen allein reichen nicht aus, um die Unterschiede zu erklären, die durch unterschiedliche Oberflächenstrukturen entstehen. Vielmehr ist eine kombinierte Betrachtung von Helligkeits-, Glanz- und Oberflächenparametern erforderlich. Die eingesetzten Methoden der industriellen Bildverarbeitung lieferten dabei vielversprechende Ansätze. Die Erkenntnisse aus „OFHarmonie“ sind ein wichtiger Schritt für die Industrie. Sie zeigen, dass die visuelle Harmonie nicht allein über reine Farbwerte steuerbar ist. Vielmehr müsse man die Oberflächenstruktur aktiv berücksichtigen, so die Wissenschaftler. Das eröffne neue Möglichkeiten für Design und Qualitätssicherung.

Bedeutung für die Industrie

Das Projekt hat wichtige Grundlagen geschaffen, die nun für weiterführende Untersuchungen genutzt werden können. Das Forschungsprojekt liefert zentrale Impulse für die industrielle Farb- und Oberflächengestaltung und unterstützt Unternehmen dabei, die visuelle Harmonie von Kunststoffbauteilen zu optimieren – insbesondere in designkritischen Anwendungen wie dem Automobilinterieur.

Das Vorhaben wurde über den Projektträger Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert (Fördernummer 01IF22811N).

Zum Netzwerken:
SKZ Technologie-Zentrum, Würzburg, Timo Grunemann, Tel. +49 931 4104-362, t.grunemann@skz.de, www.skz.de