Technologien Holzlackierung
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Beschichtungen auf Bergfahrt
In einem exklusiven Wohnprojekt in den Schweizer Alpen kam es nach wenigen Monaten zu weißen Verfärbungen auf nussbaumfurnierten Oberflächen. Eine Analyse zeigt: Nicht das Material selbst, sondern ein Zusammenspiel aus Standort, Lüftungstechnik und klimatischen Bedingungen führte zu dem Schadensbild.
Ein Designerhaus in hochalpiner Lage sollte mit industriell gefertigten, nussbaumfurnierten Paneelen ausgestattet werden. Obwohl die Oberflächen korrekt grundiert und mit Hartwachsöl geschützt waren, traten bereits nach etwa einem halben Jahr milchige, weiße Schleier auf. Auffällig: Hinter Verblendungen fielen die Verfärbungen deutlich schwächer aus.
Ein einfacher Klebebandtest bestätigte zunächst den Verdacht: Die Verfärbungen entstanden nicht im Beschichtungssystem selbst, sondern durch oberflächliche Ablagerungen. Zur weiteren Klärung wurden Proben zum Institut für Holztechnologie Dresden geschickt.
Mineralische Partikel aus unerwarteten Quellen
Die REM-EDX-Analyse lieferte ein klares Bild: Auf den verfärbten Oberflächen fanden sich deutlich mehr Partikel – insbesondere Calcium-, Aluminium- und Alkali/Erdalkalielemente. Diese liegen typischerweise als Oxide, Carbonate oder Sulfate vor und können als weißliche Pigmente einen sichtbaren Schleier bilden.
Als mögliche Ursachen identifizierten die Experten zwei externe Quellen:
- Lüftungsanlage: Ein Filtersystem ohne Feuchteregulierung, möglicherweise bereits während der Bauphase belastet. Ein „Filterdurchbruch“ könnte mineralische Baustoffpartikel aus Zement oder Gips wieder in den Raum freigesetzt haben.
- Alpine Umgebung: Die umliegenden Berge bestehen überwiegend aus Kalk- und Dolomitgestein. Feinstaub aus der Außenluft könnte somit ebenfalls zur Partikelbelastung beigetragen haben.
Hinzu kommt: Die MDF-Paneele wiesen eine sehr geringe Ausgleichsfeuchte von etwa 4,5% auf – ein Hinweis auf eine Raumluftfeuchte von nur 25 bis 30%. Solch trockene Bedingungen begünstigen elektrostatische Aufladung, wodurch feine Partikel stärker an Oberflächen haften. Dass die Ablagerungen auch an der Decke sichtbar waren, erklärt sich durch thermische Luftzirkulation und eine geringere Reinigungsfrequenz gegenüber dem Fußboden.
Fazit: Mehrere Faktoren verstärken sich
Der Fall zeigt: Auch bei fachgerechter Materialauswahl und korrekter Verarbeitung können ungünstige Kombinationen aus Gebäudestandort, Lüftungskonzept und klimatischen Bedingungen zu optischen Problemen führen – insbesondere bei dunklen, furnierten Oberflächen.
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- Welche Rückschlüsse die Analysen für den Umgang mit Hölzern in alpinen Regionen erlauben
- Wie sich ähnliche Schadensbilder in der Praxis vorbeugen lassen
- Welche Rolle die richtige Luftfeuchtesteuerung für beschichtete Oberflächen spielt
Zum Netzwerken:
IHD – Institut fürHolztechnologie Dresden gemeinnützige GmbH, Dresden, Dr. Florian Kettner, Tel. +49 351 4662-498, florian.kettner@ihd-dresden.de, www.ihd-dresden.de