Technologien Metalllackierung

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Anfängerfehler vermeiden

Fachkräfte zu finden ist schwer, daher stellen Lackierbetriebe immer wieder ungelernte Hilfskräfte und Anfänger ein. Worauf diese achten müssen und wie diese einen guten Einstieg in die Lackiertechnik finden können, erklärt der freie Berater und Experte für industrielle Lackiertechnik Matthias Bader im Interview.

Porträtfoto Matthias Bader
Matthias Bader ist Experte für Oberflächentechnik. Foto: privat

Was sind die häufigsten Fehler, die Anfänger in der Lackiertechnik machen, und kann man diese vermeiden?

Matthias Bader: Der erste große Fehler ist fehlende Planung. Viele legen los, ohne den Ablauf zu durchdenken. Das führt zu Stress und Fehlern – besonders, wenn man merkt, dass einem mitten in der Arbeit Material oder Werkzeuge fehlen. Der zweite Punkt: zu wenig fundierte Informationen. Kurze Tipps aus dem Internet ersetzen keine solide Einführung.

Und der dritte Fehler ist ungeeignetes Equipment. Da wird schnell etwas Billiges gekauft, das eigentlich nicht für die Aufgabe taugt. Das Ergebnis: schlechte Oberflächen, Frust und unnötige Nacharbeit. Vermeiden kann man das alles, indem man sich vorab informiert, den Ablauf plant und mit dem richtigen, gewarteten Equipment startet. Ein gutes Anfängerseminar hilft dabei enorm – weil man dort nicht nur die Theorie, sondern auch die Praxis von Grund auf lernt.

Welche Missverständnisse begegnen Ihnen bei Neueinsteigern am häufigsten?

Bader: Ein Klassiker ist die Annahme: ‚Strahlen ist gleichzeitig Entfetten.‘ Das stimmt so nicht. Strahlen entfernt mechanisch Rost und alte Beschichtungen, aber Öle, Fette oder andere organische Verunreinigungen bleiben oft auf der Oberfläche. Wer die Entfettung überspringt, riskiert Haftungsprobleme.

Ebenso unterschätzt wird das Thema Entlacken. Viele denken: Das geht schnell. In der Praxis braucht es aber das richtige Verfahren, Zeit und Sorgfalt, Oft werden die Anlagentechnik und Umweltauflagen unterschätzt.

Ein weiterer Punkt ist die Spülqualität. Manche halten sie für nebensächlich, dabei entscheidet sauberes Spülen nach der Vorbehandlung, ob die Oberfläche langfristig korrosionsbeständig bleibt.

Gibt es spezifische Vorschriften, die Anfänger ernstnehmen sollten?

Bader: Mehr, als viele am Anfang denken. Ein zentrales Thema ist der Umweltschutz: Abwasser aus der Vorbehandlung darf nicht einfach in den Gully laufen, sondern muss fachgerecht gesammelt und behandelt werden.

Dann die persönliche Schutzausrüstung: Atemschutz, Handschutz und passende Schutzkleidung sind Pflicht – nicht nur, um gesund zu bleiben, sondern auch, um gesetzliche Vorschriften zu erfüllen.

Ganz wichtig ist auch der Explosionsschutz, gerade beim Umgang mit Pulvern und Lösemitteln. Staub- oder Dampfexplosionen sind selten – aber wenn sie passieren, dann mit gravierenden Folgen. Und die Vorschriften der Berufsgenossenschaft: Diese geben klare Regeln zu Arbeitsplätzen, Belüftung, Lagerung und Verhalten vor. Wer sich von Anfang an daran hält, schützt nicht nur sich selbst und die Umwelt, sondern vermeidet auch teure Stillstände oder Strafen.

Welches Grundlagenwissen ist absolut unerlässlich, bevor man praktisch mit der Lackiertechnik beginnt?

Bader: Das Fundament jeder guten Beschichtung ist die Vorbehandlung. Wer nicht versteht, wie Reinigung, Entfettung und Konversionsschicht zusammenarbeiten, der kämpft später mit Haftungs- und Korrosionsproblemen – egal, wie gut die Beschichtung selbst ist. Dann die Art der elektrostatischen Aufladung: Corona oder Tribo –beides hat unterschiedliche Anforderungen an Pulver, Pistole und Applikationstechnik. Hier muss man wissen, welches System man nutzt und warum.

Beim Einbrennen ist nicht nur die Ofentemperatur entscheidend, sondern vor allem die Objekttemperatur. Das Teil muss die richtige Temperatur für die passende Zeit halten – sonst härtet die Beschichtung nicht optimal aus.

Und zuletzt: Qualitätssicherung. Wer nicht weiß, wie man Schichtdicke misst, Gitterschnitte macht oder einen Kreuzschnitt interpretiert, kann keine reproduzierbare Qualität liefern.

Zum Netzwerken:
Pulverakademie, Aalen, Matthias Bader, Tel. +49 7361 8121133, Mobil +49 162 2668516, mb@pulverakademie.de, www.pulverakademie.de

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