Technik Produkte Umwelttechnik

Mit Erdwärme zur klimaneutralen Beschichtung?

Mit dem geplanten Geothermie-Beschleunigungsgesetz will die Bundesregierung den Ausbau von Erdwärme deutlich vorantreiben. Für industrielle Lackier- und Beschichtungsbetriebe könnte sich damit perspektivisch eine neue, klimafreundliche Wärmequelle eröffnen – sofern Genehmigungen, Förderung und Praxis zusammenpassen.

Dr. Astrid Günther

Baumschine mit großem Erdbohrer
Tiefe Geothermie kann konstant und planbar Energie für Lackierbetriebe liefern, ist jedoch mit hohen Anfangsinvestitionen verbunden. Foto: Astrid Gast - Stock.adobe.com

Wärme ist ein zentraler Produktionsfaktor in der industriellen Oberflächentechnik. Ob Pulverbeschichtung, KTL oder Trocknungsprozesse: Ohne eine zuverlässige und wirtschaftliche Wärmeversorgung sind stabile Prozesse kaum möglich. Bislang setzen viele Betriebe auf fossile Energieträger wie Erdgas. Mit dem geplanten Geothermie-Beschleunigungsgesetz (GeoBG) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie könnte sich hier jedoch ein neuer Handlungsspielraum eröffnen.

Das Gesetz zielt darauf ab, die Erschließung und Nutzung von Erdwärme deutlich zu vereinfachen. Geothermie-Projekte sollen künftig als Vorhaben von „überragendem öffentlichen Interesse“ eingestuft werden, Genehmigungsverfahren beschleunigt und Wärmeleitungen rechtlich mit Gas- oder Wasserstofftrassen gleichgestellt werden. Für Unternehmen würde das mehr Planungssicherheit bei Investitionen in alternative Wärmelösungen bedeuten.

ZVO sieht Chancen – und deutlichen Nachbesserungsbedarf

Der Zentralverband Oberflächentechnik (ZVO) begrüßt die geplanten Erleichterungen grundsätzlich, verweist jedoch auf die aktuellen Hürden für die Praxis. In Deutschland existieren bislang weniger als 50 tiefengeothermische Anlagen – zu wenig für eine flächendeckende industrielle Wärmewende. Gerade mittelständische Beschichtungsbetriebe stoßen bei eigenen Geothermieprojekten schnell an Grenzen, etwa beim Know-how, bei den Investitionskosten oder bei langen Genehmigungszeiten.

Der Verband fordert daher unter anderem koordinierende Stellen auf Landesebene, die Unternehmen fachlich begleiten, sowie eine engere Verzahnung mit bestehenden Förderprogrammen wie der Bundesförderung effiziente Wärmenetze (BEW). Auch verbindliche Fristen im Wasserrecht seien notwendig, um Investitionen kalkulierbar zu machen.

Umsetzung entscheidet über Erfolg

Ein weiterer zentraler Punkt aus Sicht des ZVO sind klare Regelungen zu seismischen Vorerkundungen und möglichen Bergschäden. Transparente Entschädigungsmodelle und handhabbare Sicherheitsleistungen seien insbesondere für den Mittelstand entscheidend. Positiv bewertet der Verband die geplante Digitalisierung der Genehmigungsverfahren und zentrale Anlaufstellen. Allerdings warnt er davor, dass ohne ausreichend qualifiziertes Personal in den Behörden aus dem Beschleunigungsgesetz schnell ein neuer Engpass werden könnte.

Der Blick ins europäische Ausland zeigt, dass Geothermie bereits heute Teil industrieller Wärmeversorgung sein kann – etwa in Frankreich oder den Niederlanden. Für Beschichtungsbetriebe mit konstant hohem Wärmebedarf bietet Erdwärme daher grundsätzlich Potenzial, CO₂-Emissionen zu senken und sich langfristig unabhängiger von fossilen Energieträgern zu machen. Ob diese Chance genutzt werden kann, hängt maßgeblich von der konkreten Ausgestaltung des GeoBG ab.

Mehr im Abo: Abonnenten von BESSER LACKIEREN erfahren im ausführlichen Artikel in Ausgabe 3/2026:

  • welche konkreten Forderungen der ZVO an Politik und Behörden stellt
  • welche Rolle Förderprogramme bei Geothermieprojekten spielen können
  • für welche Beschichtungsprozesse Erdwärme besonders interessant ist

Zum Netzwerken:
Zentralverband Oberflächentechnik e. V. (ZVO), Hilden, Lukas Hanstein, Tel. +49 151 11123821, l.hanstein@zvo.org, www.zvo.org

Hersteller zu diesem Thema: