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Lackbenetzungsstörungen und Testmethoden

Lackbenetzungsstörende Substanzen (LABS) können bei der Verarbeitung von Lacken zu massiven Beschichtungsfehlern führen, die in Form von Kratern, großflächigen Benetzungsstörungen oder Verlaufsstörungen auftreten. Wichtig ist, Konzepte zur Vermeidung zu kennen.

Wolfgang Niemeier (Fraunhofer IPA)

Nahaufnahme Benetzungsstörungen
Benetzungsstörungen resultieren oft auf Kontaminationen. Foto: Fraunhofer IPA

Krater, großflächige Benetzungsstörungen oder Verlaufsfehler gehören zu den gravierendsten Oberflächenmängeln in der industriellen Lackierung. Auslöser sind häufig lackbenetzungsstörende Substanzen (LABS), die die Oberflächenenergie an der Grenzschicht zwischen Substrat und Lack herabsetzen. Die Folge: Der Lack kann das Bauteil nicht mehr gleichmäßig benetzen. Die Suche nach der Ursache ist meist zeitaufwendig – Produktionsstillstände, Nacharbeit oder Ausschuss treiben die Kosten schnell in die Höhe.

Als klassische LABS gelten Silikone und silikonhaltige Substanzen. Doch auch Öle, Fette, Trennmittel, Weichmacher sowie Kleb- und Dichtstoffe können Benetzungsstörungen verursachen. Eine pauschale Bewertung des Störungspotenzials ist jedoch nicht möglich. Entscheidend sind Zusammensetzung, Konzentration und Einsatzgebiet der Substanzen – ebenso wie das verwendete Lacksystem. Ein Stoff, der in Wasserbasislacken Probleme verursacht, kann sich in lösemittelhaltigen Systemen unkritisch verhalten.

LABS sind nicht gleich LABS

LABS lassen sich nicht grundsätzlich aus dem Lackierprozess verbannen. Kontaminationen können aus unterschiedlichsten Quellen stammen: eingesetzte Betriebsstoffe, Anlagenteile, Hilfsmittel, Arbeitskleidung, persönliche Schutzausrüstung oder sogar Kosmetika von Mitarbeitenden. Auch Verschleppungen aus vorgelagerten oder externen Fertigungsbereichen spielen eine Rolle.

Als zentrale Präventionsstrategie empfiehlt sich daher eine systematische Bewertung aller in der Produktion eingesetzten Stoffe hinsichtlich ihres LABS-Potenzials. Eindeutig lackunverträgliche Materialien sollten durch LABS-freigegebene Alternativen ersetzt werden. Ebenso wichtig ist die Sensibilisierung und Schulung der Mitarbeitenden, um unbewusste Einträge zu vermeiden.

Prüfstandards schaffen Sicherheit

Neben werkseigenen Prüfvorschriften liefert das VDMA-Einheitsblatt 24364 einen praxisnahen Rahmen für die Prüfung auf lackbenetzungsstörende Substanzen. Es definiert Anforderungen und Prüfmethoden unter Berücksichtigung des vorgesehenen Einsatzortes und der Anwendung eines Produktes. Ziel ist eine Bewertung, ob LABS wirksam vorhanden sind oder nicht.

Das Fraunhofer IPA prüft jährlich eine Vielzahl von Substanzen nach unterschiedlichen Verfahren. Die Auswahl der Prüfmethoden orientiert sich am konkreten Anwendungsfall – etwa daran, ob direkter Kontakt mit Lack oder Bauteil besteht oder eine indirekte Kontamination über Prozess- oder Kabinenluft möglich ist. Zum Einsatz kommen unter anderem Direktkontaminationen, Lösemittel-, Druckluft- oder Ausgasungstests. Besteht ein Produkt die Prüfung ohne Benetzungsstörungen, gilt es als „LABS-konform“ nach VDMA 24364.

Gleichzeitig weist der Beitrag darauf hin, dass aufgrund des komplexen Zusammenspiels von Lack, Oberfläche und Umgebung unterschiedliche Prüfbedingungen auch zu unterschiedlichen Ergebnissen führen können. Bei sachgerechter Anwendung bietet der Standard jedoch eine hohe Sicherheit hinsichtlich der Lackverträglichkeit.

Mehr im Abo: Abonnenten von BESSER LACKIEREN erfahren im ausführlichen Artikel in Ausgabe 2/2026:

  • welche Prüfmethoden sich für welche Anwendungsfälle eignen
  • wie das Fraunhofer IPA bei der Identifizierung von LABS-Quellen vorgeht
  • wie Betriebe präventiv ihre Prozesse LABS-sicher gestalten können

Zum Netzwerken:
Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA, Stuttgart Dr. Oliver Tiedje, Tel. +49 711 970 1773, oliver.tiedje@ipa.fraunhofer.de

Wolfgang Niemeier, Tel. +49 711 970 1791, wolfgang.niemeier@ipa.fraunhofer.de

https://www.ipa.fraunhofer.de/de/loesungen/beschichtungen-und-multifunktionale-materialien.html

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