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Bewerbungsfrist vom BESSER LACKIEREN Award 2026 verlängert!
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Wenn der Nachwuchs fehlt
Die industrielle Lackiertechnik braucht belastbare Prozesse, stabile Qualität und Mitarbeiter, die Anlagen, Werkstoffe und Prüfanforderungen sicher beherrschen. Genau an dieser Stelle wird das Thema Nachwuchs kritisch.
Beim Ausbildungsberuf Verfahrensmechaniker/-in für Beschichtungstechnik ist die Basis klein – und sie ist zuletzt nicht stabiler, sondern fragiler geworden. 2024 verzeichnete das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) bundesweit 225 Neuabschlüsse, 84 Vertragslösungen und eine Lösungsquote von 31,5 %; der Bestand lag zum Jahresende bei 648 Auszubildenden. Bereits der Blick auf die letzten Berichtsjahre zeigt: Die Einstiegszahlen schwanken auf niedrigem Niveau, während die Vertragslösungen zuletzt deutlich gestiegen sind. Für Lackierbetriebe ist das kein abstrakter Bildungsbefund. Es geht um die Frage, ob morgen noch genügend Fachkräfte für Vorbehandlung, Applikation, Trocknung, Qualitätskontrolle und die sichere Steuerung beschichtungstechnischer Prozesse nachkommen. Gerade weil die industrielle Lackiertechnik qualitäts- und dokumentationsintensiver wird, trifft sie der Rückgang an einer empfindlichen Stelle. Der Engpass beginnt nicht erst bei offenen Stellen. Er beginnt deutlich früher – dort, wo Ausbildung kleiner, störanfälliger und schwerer planbar wird.
Kleine Zahlen werden schnell systemrelevant
Wie schnell aus „kleinen Zahlen“ ein strukturelles Risiko wird, zeigt der Blick auf Sachsen. Am Standort Z2 in Zwickau sank die Schülerzahl im Bildungsgang Verfahrensmechaniker/-in für Beschichtungstechnik von 54 im Schuljahr 2019/20 auf 36 im Schuljahr 2024/25. Das ist für einen ohnehin kleinen, spezialisierten Bildungsgang ein deutlicher Rückgang. Der aktuelle Evaluationsbericht zur Teilschulnetzplanung stuft den Bildungsgang am Standort Z2 als „bedingt tragfähig“ ein. Dahinter steckt keine akademische Wortwahl, sondern eine klare Botschaft für die Praxis: Die Beschulung funktioniert, aber nicht mehr aus einer stabilen Breite heraus, sondern nur unter besonderen Voraussetzungen wie überregionalem Einzugsbereich und knappen Mindestgrößen. In der Übersicht der landes- und länderübergreifenden Fachklassen wird der Bildungsgang am Standort Z2 genau in dieser Kategorie geführt.
Für Betriebe hat das direkte Folgen. Wo Fachklassen klein werden, steigt der Druck auf Blockplanung, Wegezeiten, Unterbringung, Ausfallmanagement und Abstimmung zwischen Betrieb und Schule. Das sind keine Randbedingungen, sondern Faktoren, die in der Produktionsplanung mitlaufen. Je kleiner die Kohorten, desto stärker wirkt jede Vertragslösung auf die Verlässlichkeit des Systems zurück. Eine hohe Lösungsquote ist in großen Berufen ärgerlich. In kleinen Berufen wird sie schnell betriebsrelevant.
Ausbildung ist mehr als Zugang
In der Fachkräftedebatte wird häufig nur auf den Einstieg geschaut. Für die industrielle Lackiertechnik reicht das nicht. Entscheidend ist nicht nur, wie viele junge Menschen einen Vertrag unterschreiben, sondern wie viele ihn erfolgreich durchlaufen. Genau dort liegt derzeit ein neuralgischer Punkt. Die Daten für 2024 zeigen, dass beim Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik fast jeder dritte Ausbildungsvertrag vorzeitig gelöst wurde. Die Lösungsquote ist keine Abbruchquote im engeren Sinn, aber sie ist ein harter Stabilitätsindikator.
Für Lackierbetriebe folgt daraus eine klare Priorität: Vertragsstabilität muss genauso ernst genommen werden wie Nachwuchsgewinnung. Wer Ausbildung anbietet, braucht nicht nur Rekrutierung, sondern auch eine saubere Begleitung im Prozess. Frühe Erfolgserlebnisse an der Anlage, klar definierte Lernschritte, verlässliche Ansprechpartner und ein enger Austausch mit der Berufsschule sind keine „weichen Faktoren“, sondern Werkzeuge zur Risikoreduzierung.
Berufsschule ist Teil der Fachkräftesicherung
Die Schule ist für kleine technische Berufe kein Nebenschauplatz, sondern ein Teil der Infrastruktur. Wird der Schulstandort fragil, spüren das die Betriebe unmittelbar. Genau deshalb ist die Einordnung „bedingt tragfähig“ so ernst zu nehmen. Sie bedeutet praktisch: Beschulung bleibt möglich, aber nur unter erhöhtem organisatorischem Aufwand und mit weniger Puffer gegen Schwankungen.
Hinzu kommt, dass kleine Jahrgänge nicht automatisch weniger Aufwand bedeuten. In der Praxis steigen oft Heterogenität, individueller Unterstützungsbedarf und Abstimmungsaufwand. Gleichzeitig bleibt die technische Infrastruktur teuer. Beschichtungstechnische Ausbildung braucht Anlagenbezug, Material- und Prozessverständnis, Arbeitsschutz, Messtechnik und qualifiziertes Lehrpersonal. Dieser Aufwand verschwindet nicht, nur weil weniger Auszubildende in der Klasse sitzen. Die Folge ist ein Teufelskreis: weniger Schüler, weniger Stabilität, weniger Attraktivität des Standortes – und damit oft noch weniger Ausbildung.
Die Weiterbildungskette entscheidet mit
Für die industrielle Lackiertechnik endet die Fachkräftesicherung nicht mit der Erstausbildung. Betriebe brauchen auch Mitarbeiter, die später Verantwortung in Produktion, Industrial Engineering, Qualitäts- und Umweltmanagement oder Anlagenkonzeption übernehmen. Genau an dieser Stelle ist die Weiterbildung zum „Staatlich geprüften Techniker – Fachrichtung Industrielle Beschichtungstechnik“ besonders relevant. Für Betriebe ist die Schlussfolgerung klar: Wenn die duale Ausbildung im Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik schwankt, wird zeitversetzt auch die Pipeline für diese weiterführende Qualifikation schmaler. Dann fehlen nicht nur Facharbeiter, sondern später auch diejenigen, die Prozesse führen, Qualität absichern und betriebliche Entwicklung mittragen.
Was Betriebe tun können
Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Entscheidend ist, dass Unternehmen Ausbildung nicht mehr als isolierte Personalmaßnahme behandeln, sondern als Teil der eigenen Produktions- und Zukunftssicherung.
- Der Beruf muss sichtbarer werden. Viele junge Menschen kennen industrielle Beschichtungsprozesse nur vage. Wer Nachwuchs gewinnen will, muss früher und konkreter erklären, was moderne Lackiertechnik heute tatsächlich leistet – und welche Tätigkeiten hinter dem Berufsbild stehen.
- Vertragsstabilität gehört auf die Führungsebene. Hohe Lösungsquoten lassen sich nicht mit Imagekampagnen allein beheben. Betriebe brauchen klare Einarbeitung, verlässliche Lernbegleitung und abgestimmte Erwartungen mit der Schule.
- Schulstandorte müssen als Produktionsfaktor verstanden werden. Für kleine Berufe entscheidet die Erreichbarkeit und Stabilität der Beschulung mit darüber, ob Betriebe Ausbildung ausbauen, begrenzen oder ganz zurückfahren. Die Teilschulnetz-Evaluation zeigt, dass diese Frage in Sachsen nicht theoretisch, sondern akut ist.
- Die Weiterbildungskette muss mitgedacht werden. Wer morgen Schichtleiter, Qualitätsverantwortliche oder Prozessspezialisten braucht, sollte heute nicht nur auf die Erstausbildung, sondern auch auf den Technikerpfad zur industriellen Beschichtungstechnik schauen. Der Bedarf an „klugen Köpfen“ in diesem Bereich wird in BESSER LACKIEREN ausdrücklich benannt.
Für viele Unternehmen wird der Fachkräftemangel erst sichtbar, wenn offene Stellen nicht mehr besetzt werden können. Tatsächlich beginnt das Problem viel früher – dort, wo Ausbildung und Beschulung kleiner, fragiler und aufwändiger werden. Genau deshalb ist der Blick auf Berufsschule und Weiterbildung keine Nebensache, sondern ein Frühwarnsystem für die gesamte industrielle Lackiertechnik. Die Branche braucht moderne Anlagen, belastbare Prozesse und hohe Qualitätsstandards. Sie braucht aber genauso einen stabilen Unterbau aus Ausbildung, Beschulung und Weiterbildung. Wird der Unterbau brüchig, bleibt das nicht lange ohne Folgen im Betrieb.
Zum Netzwerken:
Berufliches Schulzentrum für Bau- und Oberflächentechnik des Landkreises Zwickau, Benjamin Trinks, Tel. +49 375 2118300-28, b.trinks@bsz-bot-zwickau.de, www.bsz-bot-zwickau.de